Es ist keine Übertreibung, Gregory Porter einen Orpheus des Jazz zu nennen: Mit seiner Stimme, so warm und behaglich wie ein Kaminfeuer, könnte der US-Amerikaner noch den abgenudeltsten Standard adeln. Und: Der Mann aus Los Angeles schreibt große Musik. Stilistisch nicht zuletzt an den Soul eines Bill Withers andockend, schwang sich Porter auf "Liquid Spirit" (2013) zu einem Hohepriester des großen Gefühls auf - und führte seine Hörerschaft einer emotionalen Kernschmelze zu.

Mit dem Nachfolgealbum gelingt das nicht ganz so überzeugend. Vor allem anfangs nicht. Zwar lassen es Nummern wie "Holding On" nicht an souliger Pose vermissen. Ins Gedächtnis, geschweige denn in tiefere Seelenschichten, graben sich die beliebigen Melodien aber nicht ein.

Will man womöglich die Zielgruppe Formatradio nicht emotional überfordern? Je später das Album, desto besser dann aber die Nummern. Die Midtempo-Ballade "Consequence Of Love" qualifiziert sich mit ihrer eleganten Harmoniefolge zum Klassiker in spe; "In Fashion" glänzt als augenzwinkernde Erzählung von einer unterspielten Liebe, und die Schlussnummer löst nicht nur Jazzansprüche ein (in Form von geräumigen Soli), sondern erreicht auch hohe Energiewerte auf einer nach oben offenen John-Coltrane-Skala.