Frank Zappa and the Mothers of Invention: "Were only in it for the Money". Nicht die bekannteste Platte von 1968, aber wohl diejenige, die die kontroversen Stimmungen dieses Jahres am umfassendsten wiedergibt. Zwar teilt Zappa in gewohnt hämischer Weise gegen die Hippies und deren naive Träume von einer besseren Welt aus; Hauptzielscheibe seines Spottes und Hasses ist aber die überholte und emotional versteinerte Plastikwelt der WK-II-Generation. Keine anschmiegsame Platte, aber sehr radikal, unterhaltsam und interessant.

Johnny Cash: "At Folsom Prison". Mit diesem Livealbum, aufgenommen vor tobenden Schwerverbrechern, schaffte der "Man in Black" nicht nur ein kommerzielles Comeback nach einer beinahe suizidalen Phase des Tablettenmissbrauchs, sondern stellte sich deutlicher denn je zuvor auf die Seite der Outlaws und Ausgestoßenen, der Ganoven aus Not und der Mörder aus Überzeugung. Gewaltstrotzende Textzeilen wie "I shot a man in Reno just to watch him die" oder "I took a shot of cocaine and I shot my woman down" stießen und stoßen bei echten Gangstern auf die gleiche Begeisterung wie bei Studenten, die gerade von der Polizei verprügelt wurden.

Otis Redding: "The Dock of the Bay". Veröffentlicht kurz nach seinem tödlichen Flugzeugabsturz, zeigt diese Platte noch einmal das enorme Talent jenes Riesen der Soulmusic. Das eingängige Titellied schaffte es an die Spitze der US-Charts und gehört noch heute zu den Evergreens des Genres; die LP darf in keiner halbwegs gut sortierten Soulsammlung fehlen. Redding glänzt hier als Balladier ("Open the door") ebenso wie als Funk-Shouter ("Huckle-Buck"). Seine Musik war in mehr als einer WG die musikalische Untermalung zur "Freien Liebe".

The Velvet Underground: "White Light/White Heat". Das wohl radikalste künstlerische Statement im Bereich der Rockmusik kam 1968 von dieser Band um Lou Reed und John Cale. Das entschieden den damaligen Hörgewohnheiten entgegengesetzte Feedbackgewitter in jedem Lied und die wilden Texte über Am-phetaminmissbrauch und misslungene Lobotomien wurde von den Popkonsumenten mit totaler Missachtung gestraft. Erst später erlangte die Platte ihre verdiente Beachtung, und, Anekdote am Rande: Ludwig Hirsch hat den Text seines Hits "Das Geburtstagsgeschenk" samt der blutigen Pointe eins zu eins von "The Gift" abgekupfert.