- © Fotolia, Christopher Hall
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Einige Parameter des (heimischen) Musikmarktes sind bekannt. Während die Digitalisierung einen Strukturwandel der Branche bedeutete und sich auf die Umsätze niederschlug, gibt es heute immerhin Zuwächse in den Bereichen Vinyl und Streaming. Historisch wichtige Player haben an Macht verloren, was aus der Nische heraus aber für ein Wiedererstarken der Experimentierfreude sorgte. Österreichische Bands wie Bilderbuch und Wanda eroberten den deutschen Markt. Auf der Suche nach alternativen Einnahmemöglichkeiten stellen sich Fragen zum Thema Kunst- und Kultursponsoring.

Ein runder Tisch unter Moderation der "Wiener Zeitung" fand vor diesem Hintergrund bei den Casinos Austria statt, die nicht nur seit 1968 Flaggschiffe wie die Wiener Festwochen unterstützen. Unter Zuständigkeit ihres Vorstandsdirektors Dietmar Hoscher, der selbst auch musikjournalistisch tätig ist, wird im Rahmen der Reihe Music Line die Produktion heimischer Alben gefördert. Mit dem Rising Star Award gibt es außerdem eine Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW). Hoscher: "Nur zu überweisen, das ist uns zu wenig. Wir wollen eigene Projekte entwickeln. Bei uns steht Kunst- und Kulturförderung in der Satzung. Sie hat sich so internalisiert, dass sich die Frage nach dem Grundsatz gar nicht mehr stellt."

Musik-Diskussion: Vorne (v.l.n.r.): Ernst Molden, Mamadou Diabate, Dietmar Hoscher. Hinten: Andreas Rauschal, Modibo Diabate, Katharina Hörmann, Abdoulaye Diabate, Sigi Finkel, Harald Huber. - © P. Hutter
Musik-Diskussion: Vorne (v.l.n.r.): Ernst Molden, Mamadou Diabate, Dietmar Hoscher. Hinten: Andreas Rauschal, Modibo Diabate, Katharina Hörmann, Abdoulaye Diabate, Sigi Finkel, Harald Huber. - © P. Hutter

Kann auch mühsam sein

Zu den wichtigsten Möglichkeiten, sich als Musiker (bei der Albumaufnahme oder für Konzerte) unter die Arme greifen zu lassen, gehören in Österreich der SKE- und der Musikfonds. Wie notwendig sind zusätzliche Programme wie Music Line, worin besteht der Unterschied in der Zusammenarbeit? Saxofonist Sigi Finkel, der unter anderem mit westafrikanischen Musikern um den Balafonspieler Mamadou Diabate gerade ein weiteres Album für die Reihe eingespielt hat, kennt beides: "Der Musikfonds will, weil er mit öffentlichen Geldern umgeht, eine gewisse Absicherung haben, sodass man mit sehr viel Papierkram konfrontiert ist. Das kann auch mühsam sein."

Singer-Songwriter Ernst Molden: "Es ist alles willkommen, das Künstlern hilft. Bedingung ist, dass man sich nicht verbiegen muss. Der Musikfonds selbst hat uns sehr geholfen. Er ist allerdings der klassische Tropfen auf den heißen Stein. Zudem muss man dort genauso viel Geld, wie man bekommt, selbst erwirtschaften. Ein Haken, den es beim SKE-Fonds nicht gibt. Da bekomme ich vielleicht nur einen Tausender, aber der ist voraussetzungslos." Während für den Musikfonds eine Jury entscheidet, wer gefördert wird, und sich die Projekte durch alle Genres ziehen, fällt das Music-Line-Programm mit einer Nähe zu Blues, Jazz oder Soul auf. Spielen hier persönliche Vorlieben eine Rolle? Hoscher: "Eigentlich nein, weil sonst würden wir alles fördern außer Musical und volkstümlicher Musik. Uns geht es um Projekte, die sonst kaum oder gar nicht entstehen würden, und das sind in der Regel Nischenprojekte."

Harald Huber vom Institut für Popularmusik der MDW kennt das Thema auch als Präsident des Österreichischen Musikrats: "Bevor es den Musikfonds gegeben hat, waren Förderungen nahezu ausschließlich auf den klassischen Sektor fokussiert. Wir haben zuletzt für das Jahr 2010 erhoben, was der Bund für Musik ausgab. Das war ein dreistelliger Millionenbetrag, und der Förderanteil für Klassik und traditionelles Musiktheaterrepertoire kam auf 94,5 Prozent. Jazz, World, Pop, Rock kamen also nur auf 5,5 Prozent. Hier muss Förderung weiter ausgebaut werden. Wenn dann noch privates Sponsoring dazukommt, ist es das Beste, das uns passieren kann. Auch das Wirtschaftsministerium interessiert sich für die Musikwirtschaft nicht. Und das, obwohl umfangreiche Wertschöpfungsstudien vorliegen."

Förderungen bedeuten aber auch Abhängigkeit. Ist es vorstellbar, dass Projekte aufgrund der Forderungen - oder allein des Namens - des Sponsors abgelehnt werden? Finkel: "Ich denke schon, dass man da hinschaut. Die Frage stellt sich in der Praxis aber insofern kaum, als man von Musikerseite eher für Projekte auf Fördergeber zugeht, es also eine Vorselektion gibt." Hoscher fokussiert den Aspekt der Durchmischung. "Der überwiegende Anteil der Förderung muss öffentlich sein. Denn würde sich das umkehren, dann entscheiden ein paar private Sponsoren, was stattfinden darf. Kulturpolitik ist für mich eine zutiefst demokratiepolitische Aufgabe."

Quotenbremse Austromusik

Gibt es aus Sponsorensicht gesetzlichen Nachbesserungsbedarf? "Den gibt es im Spannungsverhältnis juristisches Feld auf der einen Seite und Forderung nach gesellschaftlicher Verantwortung auf der anderen Seite. Jeder verlangt von großen und mittleren Unternehmen, dass diese ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, allerdings fragt die juristische Seite dann schnell nach dem Gegenwert. Es ist widersinnig, wenn ein Sponsor sich vorwerfen lassen muss, dass er unter Umständen Unternehmensgewinne veruntreut."

Eine eigene Diskussion startete Anfang des Jahres Ö3-Chef Georg Spatt. Obwohl vier heimische Alben in den Top 10 des Jahres 2015 landeten, sah dieser österreichische Musik als Quotenbremse. Hoscher, selbst Stiftungsratsvorsitzender des ORF: "Absurd. FM4 hat einen wesentlich höheren Österreicher-Anteil als Ö3 - und trotzdem zugelegt. Bei den Privatradios ist der Anteil teils noch geringer. Und, davon abgesehen, die Diskussion über die österreichische Musiklandschaft, die hier gerade mit der ,Wiener Zeitung‘ stattfindet, habe ich anderswo auch noch nicht erlebt."