Es ist es fast Etikettenschwindel, diese tolle Platte unter dem Bandnamen Die Krupps zu veröffentlichen. Eigentlich müsste man von "Jürgen Engler und (Krautrock-) Freunde" sprechen, doch egal. Es ist eine bunte Truppe, die hier neben Krupps-Urgestein Engler samt Bandkollegen Ralf Dörper mittut: Mani Neumeier (Guru Guru), Jean-Hervé Peron und Zappi Diermaier (Faust), Pyrolator (Der Plan/Fehlfarben) und US-Musiker Scott Telles. Ein Querschnitt also durch fast 50 Jahre (deutscher) Musikgeschichte von Krautrock via Punk/NDW bis zu Postrock und Electronica.

Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Hier aber rühren die Mitspieler die 1981 veröffentlichte "Stahlwerksinfonie" zweimal ganz hervorragend um. Zwei Versionen des Stückes gab es übrigens schon damals, was ohnehin zeigt, dass es sich bei dem Hörwerk eher um eine Oszillation aus Komposition und Improvisation handelt, die keine fixierte Form besitzt, sondern vielmehr eine Idee ist, die jederzeit und in unterschiedlichen Besetzungen realisiert werden kann.

So auch in den beiden neuen Fassungen, die nun als "Stahlwerkrequiem" firmieren. Zuerst einmal 20 Sekunden halliges Metall auf Metall, dann ein stoisch gerader Bass, der in der ersten Version, "Reinhausen" betitelt, über 23 Minuten das Fundament bietet, auf dem sich ein geordnetes Chaos an Drums, Gitarre, Perkussion aller Art, Keyboards und weiß der Teufel was noch gewitterartig entlädt. Version zwei mit dem Titel "Westfalenhütte" dauert nur 13 Minuten, ist aber um keinen Deut weniger intensiv, eher im Gegenteil.

Requiem, das bedeutet ja Seelenmesse oder Totengedächtnis. Wie die Titelreferenzen anzeigen, darf man die zwei Musikstücke als Abgesänge auf die deutsche Bergbauindustrie deuten. Heute leben wir ja, anders als noch einst bei Throbbing Gristle, in einer post-industriellen Welt, die aber um keinen Deut weniger hässlich oder menschenfeindlich ist als früher. Insofern brauchen wir auch weiterhin Musik wie die auf "Stahlwerkrequiem": einen schmutzigen, zugleich aber betörend schönen Lärm.