Anders als 2012 beim Konzert der B-Mannschaft "Ozzy & Friends" wird Ozzy Osbourne an der Front von Black Sabbath heute nicht vor allem damit beschäftigt sein, mit dem Schlauch gegen die Ordnungshüter der Wiener Stadthalle vorzugehen, sie sozusagen gut einzuwassern. Man ist seither ja - haha! - beinahe vernünftig, definitiv aber um vier weitere harte Jahre älter geworden, was bedeutet, dass man als Mann vor dem Ruhestand, der wohlverdienten Pangsiong vom Karriereweg als Gottseibeiuns des Establishments (seinerzeit) und Beschwörer des Teufels (zu jeder Zeit) heute auch etwas Halt braucht im Leben.

Diesen findet Ozzy Osbourne am Mikroständer, der hoffentlich von einer Fachkraft angebracht wurde. Immerhin hat man es heute wegen der langen Suchtmittelkarriere mit einer weitgehend regungslos zugebrachten Zitterpartie zu tun, im Rahmen derer Ozzy Osbourne Nachhilfe in Sachen Statik gibt - und den Standsicherheitsnachweis letztlich erbringt. Ah ja, von hinten links an den vor Freude überschwappenden Bierbechern und den zum Teufelsgruß ausgestreckten Händen vorbei hat man den irren Metal-Opa aber zumindest einmal dabei erwischt, wie er einen Wasserkübel ins Publikum kippte. Ein Heidenspaß!

Am Anfang: das Ende

Zum angeblich nun also erfolgenden Abschied in die Pangsiong jedenfalls darf man einmal noch zum Teufel gehen und Black Sabbath in Reinkultur erleben. Neben Osbourne bedeutet das eine Wiederbegegnung mit Geezer Butler am Bass und dem Gitarristen Tony Iommi als gar nicht so heimlichen tatsächlichen Star des Abends, der das Motto der "The End Tour" auch aufgrund der nach wie vor spürbaren Folgen einer überstandenen Krebserkrankung vorgab. Ein Tour-Keyboarder wird hinter dem Vorhang versteckt, während als felsenfester Rückhalt am Schlagzeug Tommy Clufetos ungefähr jedes Klischee verkörpert. Er gibt den Drummer Animal von den Muppets als verrückten Haudraufwienix, der einen Höhlenmenschen bei einem epileptischen Anfall während der Geisterbeschwörung gibt. Ein zur Belohnung (für ihn) und als Verschnaufpause (für Black Sabbath kurz vor der Pangsiong - nur mehr 43 Konzerte nach Wien!) eingelegtes Trommelsolo dürfte noch an der Grenze zu Ungarn als Erdbeben der Stärke 7 nach Richter wahrgenommen worden sein. Glücklicherweise wurde von der Donauinsel aber kein Tsunami gemeldet.

Um 20.45 Uhr beginnt es überraschend wenig verspätet und standesgemäß: mit dem Ende. Auf der Videowall wohnt man der Geburt eines Monsters bei, das die Welt in Schutt und Asche legt. Zu hochzüngelndem Höllenfeuer und Regen, Donner und endzeitlichem Glockengeläut betritt Ozzy Osbourne mit seinen Kollegen die Bühne und erinnert sich daran, dass ihn früher einmal das Kokain ziemlich beschleunigt hat. Er rennt der Band bei Taktgefühl null auch ohne Bewegung davon, trifft an dieser Stelle im Konzert aber ausnahmsweise die richtigen Töne. Es ist egal. Bei guten, für die Stadthalle also fast sensationellen Soundverhältnissen erklärt dafür Iommi auf der Standposition seines Ersatzmannes Slash von 2012, wo der Saubartel den Most wirklich holt.

Am Ende: das Ende

Zwischen der abgebremsten, wie Lava in Zeitlupe fließenden Wucht von "Black Sabbath" zum Auftakt und dem Stakkato-Geklöppel von "Children Of The Grave" vor der Zugabe wird dabei immerhin mit großer Wirkungsmacht demonstriert, wie diverseste Zentralelemente aus Spielarten zwischen Doom- und Thrash-Metal hier schon ab 1969 vorweggenommen wurden. Und es wird vor allem auch Musik zum Besten gegeben, die neben Blut- und Beuschel-Spielen samt Satan und dem Tier 666 als treue Begleiter nicht zuletzt für Regelbruch und Ausschweifung steht. Höret und wisset: Das ist in angepassten Zeiten der aussterbenden Deixe eine hochnotwendige Sache. Regelbruch. Ausschweifung. Dicht wie lange nicht riecht es in der Stadthalle nach für Pollenallergiker unproblematischem Gras.

Mit Ausnahme des nicht so guten, käufliche Liebe adressierenden Songs "Dirty Women" wagt die Setlist übrigens exakt keinen Schritt von 1972 in Richtung heute. Stattdessen ist die Macht mit 14 Songs über das kleine Band-Einmaleins mit uns: "Fairies Wear Boots", "Into The Void", "Snowblind", "War Pigs", "N.I.B." und "Iron Man", alles mit ausgedehnten Instrumentalpassagen, in denen Ozzy Osbourne dem Teufel sei Dank auch nicht singen muss.

Am Ende: kollektives wunschloses Unglück bei "Paranoid" - und das Ende vom Ende. Okay, mit seinem "God bless you all!" hat uns Ozzy heute schwer irritiert. Ansonsten aber regierte am Heimweg zur Hölle 666-tierische Freude!

Konzert

Black Sabbath

Wiener Stadthalle