Es war vor drei Jahren, da adelte die britische Tageszeitung "The Guardian" Roosevelt als den besten Künstler, der sich je nach einem amerikanischen Präsidenten benannt hat. Nun ja, besonders hart ist die Konkurrenz da auch nicht wirklich: Die Hardcore-Punk-Haudegen Dead Kennedys wären zu nennen. Weiters der (gar nicht nach der Politiker-Dynastie benannte) Nirvana-Verschnitt Bush, die ziemlich unsäglichen Alternative-Rock-Rabauken The Nixons. Und die bisher relativ beste Band aus dem präsidialen Biotop kneift wiederum vor nomineller Verbindlichkeit: The Presidents Of The United States Of America.

Aber Roosevelt - das hat tatsächlich etwas. Auch oder gerade dann, wenn es der Name eines 25-jährigen Kölner Sängers, Songschreibers, Multiinstrumentalisten und Produzenten ist - und damit unvermeidlich die Frage aufwirft, was uns der damit sagen will. Nun, Roosevelt ist Marius Lauber und verdankt seine künstlernämliche Existenz einfach seinem Wohlklang. "Das ist definitiv der einzige Grund. Die Konnota- tion mit der amerikanischen Geschichte war nicht ausschlaggebend für die Namenswahl", sagt Lauber im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" und bekennt sich dabei grundsätzlich zu einer starken Orientierung am Phonetischen.

"Ich schreibe auch meine Texte ein bisschen unter dem Gesichtspunkt, wie sich etwas klanglich macht." Das bedeute aber nicht, dass die Texte nur akustische Dekoration seien: "Ich will in ihnen schon etwas transportieren. Es ist nur nicht so, dass ich eine klassische Singer-Songwriter-Story erzähle, sondern Zustände und Stimmungen vermittle."

Auf seinem selbstbetitelten ersten Album sind das, grob vereinfacht, die Wechselfälle des Lebens. Diese sind bisher günstig für ihn verlaufen, denn mit einer Reihe von Singles und EPs hat Lauber bereits beachtlichen internationalen Response gefunden.

Das größtenteils im Alleingang eingespielte Album wird die dadurch ausgelösten Erwartungen nun auch nicht enttäuschen: In keiner Weise genialisch, aber gut gemacht, verquirlt es in mittlerer Geschwindigkeit etwas melancholischen Pop und Dancefloor zu einem ziemlich dichten Sound, der den Hörer unaufgeregt mitzieht.

Avancen als Songwriter

Die eine oder andere kleine Spitze durch eine etwas lautere Gitarre oder eine rhythmische Verschiebung beugt der latenten Gefahr von allzu viel Ebenmaß vor. "Moving On" lässt einen den ganzen Tag grübeln, woher man dieses breite, insistente Synthesizer-Motiv nur kennt; "Night Moves" und das melodisch besonders schöne "Belong" belegen Laubers Avancen als Songwriter.

"Beim Album bin ich weg vom Produzenten-Track hin zu Song-Strukturen gegangen", erklärt der bekennende Bewunderer des großen Arthur Russell, mit dem ihn auch eine gewisse stimmliche Ähnlichkeit verbindet. "Ich habe darauf geachtet, dass die Produktion den Song stützt - und nicht der Song die Produktion. Bei einem Song wie ,Fever‘ könnte ich mich auch ans Klavier setzen - er würde dann anders rüberkommen als auf der Platte, aber eine ähnliche Stimmung erzeugen."

Lauber, der als Teenager noch in einer klassischen Indie-Band-Konstellation gespielt hat, sieht Komponieren und Produzieren als ineinandergreifende Prozesse. "Ich habe beim Komponieren immer auch schon aufgenommen und produziert. Ich wollte nicht mehr Demos aufnehmen und damit dann noch einmal ins Studio gehen. Das hat mich in Band-Jahren gestört, denn auch der Sound ist ein Statement."

Als sein eigener Produzent hält Lauber den Arbeitskreislauf in permanenter Bewegung, auch wenn sich beim Komponieren die Inspiration mitunter etwas bitten lassen sollte. "Ich kenne das auch von vielen anderen Künstlern: Geht es um die Kernidee, läuft es für mich immer schief, gezielt etwas machen zu wollen. Ich glaube, mein Unterbewusstsein weigert sich, auf Kommando zu kreieren. Glücklicherweise kann ich aber als Produzent immer an anderen Sachen weiter-arbeiten."