"Whatever you want / I’ll do it!" Britney Spears singt der unterwürfigen Botschaft ein Loblied. Das geht nicht gut. - © Sony Music
"Whatever you want / I’ll do it!" Britney Spears singt der unterwürfigen Botschaft ein Loblied. Das geht nicht gut. - © Sony Music

Das Musikvideo zur Single "Make Me..." mit Gastrapper G-Eazy, der erst letzte Woche am FM4-Frequency-Festival im schönen St. Pölten als Macker mit der dicken Hose womöglich vom eigenen Liebesleben inspirierte, jedenfalls recht glaubhaft transportierte Sätze wie "Bitch you got me fucked up!" zum Besten gab, geht so: Britney Spears und ihre fünf besten Freundinnen laden unter Kichern und Kieksen einen weiteren Teilnehmer zum Musikvideo-Casting ein, dem bereits schwant, dass sich hinter dem Versprechen, heute noch "a lot of fun" zu haben, eine Falltür auftun, er also auch bald das Lied von Rapper G-Eazy anstimmen könnte.

Immerhin wird er sich als auf seine Rolle als Fleisch und Objekt und wandelndes Sixpack (kein Bier!) degradiertes Talent, das im US-Entertainment-Epizentrum Los Angeles doch nur etwas aus seinen Schauspielambitionen machen möchte, noch mit anderen männlichen Photoshop-Körpern weniger für eine Rolle bewerben, als vielmehr mit Steherqualitäten um die sexuelle Gunst von Britney Spears messen müssen.

Naschet vom Apfelkuchen!

Das Video ist sehr 2001 und trotz seiner Hochglanzästhetik trashig im Sinne von Trash, kein doppelter Boden und "Ich will das nicht sehen". Sportwagen vom Gegenwert des Bruttoinlandsprodukts eines Kleinstaates kommen auch darin vor, und spätestens nach der Softsex-Szene am Ende, bei der Britneys fünf beste Freundinnen kichernd und kieksend zusehen dürfen, fühlt man sich als Konsument ungefähr so schuldig wie nach einem Besuch bei Youporn - während der Arbeitszeit.

Achtung, Genderseminar, erste Einheit, Kapitel "Der Körper als Objekt": Nur - und wirklich nur - wenn man das nun vorliegende neue und mittlerweile neunte Studioalbum mit dem im Gegensatz zum Video beinahe katholischen Titel "Glory" (Sony Music) mit all seinen in Sachen sexy durch die Bank unterwürfigen Texten schon gehört hat, könnte man hinter "Make Me..." zumindest noch den Ansatz eines Versuchs verstehen, Geschlechterrollen zu hinterfragen. Das allerdings weiß das Video selbst dramatisch zu verhindern. Immerhin wird auch Britney Spears beim Popowokin in Unterwäsche auf High Heels als unrealistischer Körper zumindest mehr oder weniger freiwillig zu Fleisch. Am Ende sind alle Objekte, sofern sie das Video nicht für gut befinden oder es sich gar selbst ausgedacht haben.

Der Rest der nach Abstechern in Richtung EDM und Dubstep auf den letzten Alben "Femme Fatale" (2011) und dem 2013 einigermaßen gefloppten "Britney Jean" heute wieder verstärkt auf gut vertraute Radiopop-Formalismen, ein wenig R&B und zwei, drei Takte Reggae fokussierten Songs allerdings dürfte dafür sorgen, dass selbst das feministische Feingefühl der Hells-Angels-Ortsgruppe Braunau beleidigt wird.

Britney Spears betrinkt sich im Partykleid allein zu Hause als Desperate Housewife beim Warten auf den "Man On The Moon", hinter dem Literaturkenner bereits die Metapher erkennen: Ferne und Sehnsucht, vor allem aber auch Steilgefälle und Unerreichbarkeit. Sie wispert, säuselt und haucht eindeutig doppeldeutige Zeilen, die man in dieser Form zuletzt während der Arbeitszeit im Internet gehört hat ("Do you wanna come over?", "Put your love all over me!"), lädt Aspiranten der Liebe dazu ein, von ihrem Apfelkuchen zu naschen ("Apple pie" ist sehr sexuell und reimt sich praktischerweise auf "satisfy", das noch sexueller ist), und - schon wieder so eine erschütternde Metapher -, ihr Haus zum Beben zu bringen. Spätestens bei Zeilen wie "Whatever you want / I’ll do it!" und "Give you what you want / I’m a certified service" ist es aber so weit: Die Braunauer Hells-Angels-Ortsgruppe schreibt sich ins Genderseminar ein und beschließt, fortan sämtliche Ressourcen auf den Kampf für Gender-Equality zu fokussieren. Dem Sexismus keine Chance!

Mensch? Maschine? Kind?

Wenn man sich hinsichtlich des auch diesmal grotesk effektgetragenen Vortrags nicht gerade die Frage stellt, ob die Dienstleisterin an der Front bereits durch eine Maschine ersetzt wurde, wie das in anderen Branchen ja auch üblich ist, wird auf "Glory" zwischendurch übrigens auch künstlich im Frequenzbereich eines Kindes gesungen. Was das jetzt wieder aussagt, wo Britney Spears im Alter von heute 34 Jahren längst alle Möglichkeiten hätte, sich als Grande Dame des Kaugummipop zu inszenieren, wäre vielleicht noch interessant. Da blockiert die nächste ganz im Sinne ihres Ex-Boyfriends Justin Timberlake ("I’m bringing sexy back!") gehaltene Anspielung aber schon wieder die Synapsen. Früher im "Mickey Mouse Club" hätte es das nicht gegeben!

Weitere CD-Besprechungen auf Seite 44 im "extra".