Bereits im Trailer zu Andrew Dominiks Film "One More Time With Feeling", der sein kommende Woche erscheinendes neues Album "Skeleton Tree" begleiten und am Donnerstag auch in ausgewählten österreichischen Kinos zu sehen sein wird, macht sich Nick Cave über eines Gedanken: den von der Realität oft erbarmungslos verunmöglichten Wunsch des Menschen, dass alles so bleiben mag, wie es immer war.

Die Realität hat schließlich auch dazu geführt, dass sich der Songwriter selbst einer Folgeüberlegung gegenübersieht: "Was geschieht nach einem Vorfall, der so desaströs ist, dass du dich einfach veränderst?"

Nach dem Unfalltod seines Sohnes Arthur im Sommer 2015 hat sich Cave aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein heuer im Juni angekündigtes 16. Album wurde entsprechend als Überraschung begrüßt. Der am Donnerstag veröffentlichte Vorbote "Jesus Alone" kann trotz verschiedener Deutbarkeiten nicht nicht als Trauerarbeit verstanden werden. Dafür sprechen bereits die Eröffnungszeilen ("You fell from the sky / crash landed in a field / near the river Adur"), die Nick Cave am Schauplatz im wahlheimatlichen Brighton mit einer Wiederauferstehungsszene kontrastiert: Blumen sprießen aus dem Boden, Lämmer springen aus dem Leib ihrer Mütter.

Die Erneuerung einer karrierelangen Beschäftigung mit christlichen Sujets führt heute zur Anrufung ("With my voice / I am calling you"), sie führt aber hörbar auch zu Ernüchterung und Zweifel: "You believe in God, but you get no special dispensation for this belief now."

Während die Meeresmetaphern des Vorgängerwerks in die Verlängerung gehen, sprechen auch die Loops von Warren Ellis für einen ähnlichen Produktionszugang wie bei "Push The Sky Away" von 2013. Mit beiläufigem Beserlschlagzeug, pulsierenden Sounds, an- und abschwellenden Streichern und zarten Klavierakkorden entsteht eine mäandernde Meditation mit Caves Vortrag im Mittelpunkt. Schwere Kost, herbstlich, hadernd: "You’re a distant memory in the mind of your creator, don’t you see?"