Den technologischen Standard seiner Zeit widerzuspiegeln - nicht unähnlich der Art, wie das die frühen Kraftwerk mit der damals beginnenden Computerisierung des Alltags getan haben: Das war die erklärte Absicht des New Yorker Produzenten und Komponisten Joe Williams bei seinem neuen Projekt Motion Graphics.

"Schnittstellengeräusche, die Menü-Systeme von Autos oder einer X-Box oder auch die Betriebsgeräusche eines modernen Kühlschranks - das sind die Sounds, die wir jeden Tag hören. Und ich sehe da eine interessante Kommunikation zwischen diesen Sounds und solchen, die gemeinhin als musikalischer angesehen werden. Diese Alltags-Sounds sind die Sounds von jetzt, und in einem gewissen Sinn sind sie mehr Pop-Musik als die herkömmliche Pop-Musik selbst", erklärt Williams seinen Arbeitszugang.

Der 33-Jährige hat bereits 2007 ein Album unter dem Namen White Williams veröffentlicht, Produktionsarbeiten gefertigt, den Soundtrack zum Dokumentarfilm "12 O’Clock Boys" verantwortet und in diversen Kooperationen mitgewirkt. Das selbstbetitelte Debüt von Motion Graphics entstand in zweijähriger Arbeit.

Musikalisch griff Williams auf einen stilistischen Fundus aus disparaten Einflüssen zurück, die vom meditativen Jazz-Label ECM über japanischen Pop der 80er Jahre bis zu klassischer Musik reichen. Gelegentlich unterlegt er dabei generierte Klangbilder mit sonorem Gesang, der wiederum auf manchmal eher assoziative, manchmal relativ konkrete Weise seine Philosophie vom grenzenlosen Austausch zwischen der natürlichen Welt und dem digitalen Orbit transportiert.

Doch mehr als Worte (er)zählen hier die Sounds: Die vertrackte, taumelnde, an Hip-Hop-Beats erinnernde Rhythmik, an der sich die klassizistischen Elemente brechen, burleske Intermezzi, sporadische Momente der inneren Einkehr und Geräusche, die reflexhaft den Griff zum Smartphone zwecks Checks möglicher neuer Nachrichten auslösen, verdichten sich zu komplexen Suiten.

Wenn es so etwas wie "konkrete Musik" geben kann - dies wäre ein Anschauungsbeispiel.