Am 21. Dezember 2014 starb Udo Jürgens. Mit knapp zwei Jahren Abstand - auch in emotionaler Hinsicht - hat nun der Journalist und Eventmanager Christian Simon sein fast 40-jährige Freundschaft zu dem großen Sänger in einem Buch aufgearbeitet. "Ich, Udo" lautet der Titel, der genau das verspricht, was der Leser bekommt: nämlich 240 Seiten, auf denen größtenteils Jürgens selbst zu Wort kommt.

Simon zitiert nämlich aus unzähligen Gesprächen, die er mit dem Musiker seit 1975 bis zu dessen Tod geführt hat. Und da erfährt man vieles, das man zwar auch schon vorher gewusst haben mag, aber eben hier aus allererster Hand. Jürgens erzählt über sein Verhältnis zum Publikum; darüber, wie er selbst von seiner eigenen Intensität und Aggressivität auf der Bühne schockiert war, wenn er sie später auf TV-Aufnahmen sah; er erläutert, warum ihm Perfektion immer so wichtig war; er schildert die schwierige Ehe mit seiner ersten Frau Panja, seine Sexualität und ganz ungeniert sein Faible für blutjunge Frauen; er rechnet vor, was er tatsächlich verdient hat und welchen Bezug er zu Geld hat; er erzählt von frühen Tramps durch die USA (und dass er übrigens sehr wohl in zerrissenen Jeans durch San Francisco ging und dort sogar wie ein Obdachloser in Parks schlief); er offenbart außerdem tiefste Ängste - auch vor dem Tod.

Was "Ich, Udo" von anderen Biografien abhebt, ist die - zumindest scheinbare - schonungslose Ehrlichkeit, mit der Jürgens gegenüber seinem Freund (ohne es damals schon zu ahnen) seine Lebensbilanz gezogen hat.