Respect! Die Mitglieder von A Tribe Called Quest erweisen auf ihrem aktuellen Album nicht zuletzt dem verstorbenen Bandmitglied Phife Dawg, hier auf einem Archivbild im Zentrum zu sehen, die Ehre. - © apa/Getty
Respect! Die Mitglieder von A Tribe Called Quest erweisen auf ihrem aktuellen Album nicht zuletzt dem verstorbenen Bandmitglied Phife Dawg, hier auf einem Archivbild im Zentrum zu sehen, die Ehre. - © apa/Getty

Wenn Kanye West auf der Bühne wieder einmal verwirrte Monologe gibt und man nicht weiß, ob das noch Kunst ist oder doch schon die Vorstufe zur Einweisung in die Psychiatrie, ist ein Album wie dieses eine Wohltat. Immerhin galten A Tribe Called Quest als betont reflektierte Hip-Hop-Alternative, als zu Beginn der 1990er Jahre schon der auf Schusswaffengebrauch, Bitches und einen Maserati-Fuhrpark vor der Villa fokussierte Gangsta-Rap das Geschehen dominierte.

Q-Tip, Phife Dawg, Jarobi White und Ali Shaheed Muhammad fanden von Raps über spätadoleszente Befindlichkeiten und den Alltag im heimatlichen New Yorker Stadtteil Queens schnell zu einem sozialrealistischen Blick auf die Dinge. Als Teil der losen Bewegung The Native Tongues, die ein heute wieder geschärftes Bewusstsein für afroamerikanische Themen auf organische, von (Jazz-)Samples getragene Old-School-Beats treffen ließ und Acts wie De La Soul oder die Jungle Brothers inkludierte, schrieben sie mit Alben wie ihrem Debüt "People’s Instinctive Travels And The Paths Of Rhythm" von 1990 sowie vor allem Alben wie "The Low End Theory" (1991) und "Midnight Marauders" (1993) nicht nur Hip-Hop-Geschichte.

Schatten der Trump-Ära


Dass nach zwei weiteren Arbeiten im Jahr 1998 zunächst wieder Schluss war, sollte an ihren Meriten nichts ändern - im Gegenteil. Nach der Hinwendung zu Solokarrieren, die vor allem Q-Tip nie aus der Öffentlichkeit hatte verschwinden lassen, konnten A Tribe Called Quest ab Mitte der Nullerjahre im Rahmen einer Live-Reunion so als unbeschädigte Institution wieder auf die Konzertbühnen zurückkehren.

Nachdem ein neues Album von den Protagonisten lange Zeit ausgeschlossen wurde, erfolgt das Comeback mit "We Got It From Here . . . Thank You 4 Your Service" (Epic/Sony Music) nun unter traurigen Bedingungen: Nach dem Tod von Phife Dawg nach Komplikationen mit seiner Diabetes-Erkrankung heuer im März wird die Wiederkehr zum endgültigen Abschied. Man geht in aller Pracht und Herrlichkeit und Würde. Immerhin erlebt man A Tribe Called Quest auf 16 neuen Tracks als jene "Gatekeepers of flow", als die sie mit der Hommage "Dis Generation" höflicherweise ihre Nachfolger (und Gastkontributoren des Albums) wie Kendrick Lamar bezeichnen. Respect! Dieser wird natürlich auch Phife Dawg zuteil, dem mit "The Donald" und der Trauerarbeit "Lost Somebody" zwei Stücke gewidmet sind.

Allem voran aber hat man es mit dem bisher politischsten Album von A Tribe Called Quest zu tun, das mit programmatischen Stücken wie "We The People . . .", "The Killing Season" und "Conrad Tokyo" konkret Bezug auf die Geschehnisse um Polizeigewalt gegen Afroamerikaner nimmt und bereits auch den Schatten der Trump-Ära verdichtet, der während der Albumgenese ein Albtraum war, aus dem man noch aufwachen konnte: "All you black folks, you must go. All you Mexicans, you must go."

Gleich mit dem eröffnenden "The Space Program" gelingt das Kunststück, die Perspektivlosigkeit unterprivilegierter Afroamerikaner einzufangen, um bei allem Bekenntnis zur Gegenwehr und zum Kampf doch die Gemeinschaftlichkeit zu beschwören. Anderswo werden suppressive Außenblicke ("Say am I ’posed to be dead or doin’ life in prison?" und: "Are you amused by our struggles?") oder die Gefahren einer autoaggressiven Kalmierung mit Sedativen seziert ("Melatonin"). Über allem schwebt der raue Wind, den wir alle spüren: "Troublesome times kid, no times for comedy."

Am hörbarsten von den zahlreichen Gästen des Albums geifert Busta Rhymes aus den Boxen. Jack White würgt die Stromgitarre. Kanye West darf auch etwas sagen. Und nach seiner Beteiligung an Arbeiten der Queens Of The Stone Age oder der Red Hot Chili Peppers verbucht Elton John den nächsten erstaunlichen Cameo. Am Ende hat man sehr oft mit dem Kopf genickt - nicht nur aus musikalischen Gründen.