Polkov bringen das Mysterium Pop präzise und wohlklingend auf den Punkt. - © Matthäus Bär
Polkov bringen das Mysterium Pop präzise und wohlklingend auf den Punkt. - © Matthäus Bär

In Zeiten, in denen der mit Schmäh und Authentizität spielende Dialektpop fröhliche Urständ und große Erfolge feiert, feilt ein steirisches Quintett unbeirrt an einem Popentwurf, der POP in Großbuchstaben schreibt und den "perfekten" englischsprachigen Song im Fokus hat.

Für diese Art von Musik gilt es die Intellektuellenbrille abzulegen - betört sie doch mit Wohlklang, Eleganz, Anmut, Stil- und Geschmackssicherheit - und mit viel Herz und Seele. Die kontinuierliche Entwicklung von Polkov zur Band war 2012 anlässlich eines Auftritts beim "Styrian Stylez"-Festival weitgehend abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt firmierte man unter der Obhut von Mastermind Laurenz Jandl noch als Sextett, das sich dem zeitlos schönen und geschmackvoll-herzerweiternden Popsong verpflichtet fühlte.

Teilzeit-Musiker

Polkov, das sind heute neben Jandl noch Jürgen Schmidt, Paul Pfleger, Günther Paulitsch und Alex Hackl. Ihre Musik zitierte von Anfang an lässig und kenntnisreich unterschiedlichste Genres und musikalische Einflüsse. Die Entstehung des originellen Bandnamens basiert auf einer unkonzentrierten Lektüre des Romans "Do Androids Dream Of Electric Sheep?" von Philip K. Dick beziehungsweise der schlampigen Namenswiedergabe des Androiden Polokov.

Weil die Produktion von Popmusik ihre Erzeuger hierzulande nur in Ausnahmefällen ganzjährig ernährt, verdingen sich auch die Mitglieder von Polkov neben ihrer Teilzeitarbeit für diverse andere Bands - Granada, Stereoface, Tiger Family, Farewell Dear Ghost - zeitweise als Kellner, Hochzeitsmusikanten, Werbetexter und Kabelverleger oder als Mikrobetreuer für ORF-Moderatoren wie Wolfram Pirchner oder Verena Scheitz.

"Leben heute" nennt sich das - und so offenbart sich das Leben als (Pop-)Musiker nicht selten als schwieriger Balanceakt zwischen Idealismus, Beharrungsvermögen und ein klein wenig Verrücktheit. Umso erstaunlicher wirkte die atmosphärische Geschlossenheit und ausgereifte Musikalität des im Oktober 2014 veröffentlichten selbstbetitelten Debütalbums, dessen ausgeklügelt arrangierter Mix aus einnehmendem Indiepop, melancholischen Country-Klängen und dosierten Folkrock-Rhythmen Kritiker und Hörer gleichermaßen begeisterte.

Schon vor der Veröffentlichung des Erstlings begann die Band im Sommer 2014 in der Bretagne mit der Arbeit am Songmaterial für den Nachfolger. Jetzt, mehr als zwei Jahre später, liegt "Closer" vor und präsentiert sich als Songkollektion von lupenreinem Pop-Klassiker-Format mit Gespür für Melodien und Harmonien zwischen Charme, Raffinesse und Pop-Appeal.

So entsteht acht Nummern lang ein Mix aus songorientierten Nuggets und emotionalen Minidramen: Die schwermütigen Balladen und schmissigen Melodien flirten den Hörer auf unverschämt-infektiöse Art an und lassen ein Klanguniversum erstehen, das in den schönsten Klangfarben schillert und glänzt. Sehr selten hat eine österreichische Band das Mysterium Pop so präzise wie wohlklingend auf den Punkt gebracht.

80er-Jahre-Nachhall

Produzent Christofer Frank gelang es, die vielen unterschiedlichen Einflüsse so gekonnt wie stimmig (neu) zu arrangieren und die melancholische Grundstimmung der Musik zu bewahren. Die Lyrics von Laurenz Jandl verhandeln eher triste Themen wie Selbstzweifel, Sinnsuche, Verletzlichkeit und Wirklichkeitsflucht, werden aber stets in gewinnende Melodien gegossen. Obwohl weiterhin geschmeidige Gitarren die Basis für den Polkov-Sound bilden, ist es der Einsatz von Synthesizern, der mit seinem 80er-Jahre-Nachhall heute für eine bereichernde Erweiterung des Klangspektrums sorgt.

Höhepunkt dieses Albums wie aus einem Guss ist "Closer", das titelgebende Duett von Laurenz Jandl mit seiner Ex-Bandkollegin Florentina Finder, das viel von der feinnervigen Eleganz eines Prefab-Sprout-Songs hat.