Selbstironie hat er: "Country For Old Men" heißt das neue Album von John Scofield, und es zeigt den weißbärtigen Jazzer vor einer rustikalen Landschaft. Gönnt sich der 64-jährige Gitarrist eine Verschnaufpause nach seinen jüngsten Funk-Abenteuern?

Der Beginn deutet darauf hin: "Mr Fool" schlapft wie in Altherrenpatschen daher. Aber was für ein Kontrast danach: "I’m So Lonesome I Could Cry" - diese von Hank Williams einst steinerweichend gesungene Ballade löst sich in brodelndem Bebop auf. Scofield, der unverkennbare Stilist mit den Zickzack-Notenblitzen und den gequetschten Bluenotes, bleibt auch im Country-Fach wendig, zertrümmert Klassiker aber nicht, sondern befeuert sie mit zündenden Grooves und überführt sie ins Jazzfach.

Dafür hat er in Schlagzeuger Bill Stewart und Bassist Steve Swallow zwei fulminante Pulsgeber sowie in Larry Goldings einen phasenweise entfesselten Tastenmann. Ein Prachtalbum, das auch mit einer samtig-groovenden "Jolene" und Shania Twains "Your’re Still The One" glänzt.