Die Act-Familie hat wieder einmal ein neues Mitglied gewonnen: Grégory Privat, vor 32 Jahren auf der Insel Martinique geboren, hat sein Debüt bei Deutschlands dauerproduktivem Jazzlabel veröffentlicht. "Family Tree" heißt es und ist, folgt man dem Klappentext, den Ahnen des kreolischen Pianisten geweiht; sie stammen mutmaßlich aus China, Indien, Afrika und Europa.

Das könnte der Ausgangspunkt für eine Allerweltsmusik sein - ist es aber nicht. Im Rahmen eines klassischen Jazztrios tischt Privat Stücke aus eigener Feder auf, die in ihrem melodiösen, lebensbejahenden Ton an die Handschrift von Klavierkollege Makoto Ozone erinnern, ein wenig auch an diejenige von Michel Petrucciani. Auffällig dabei die Milde im Klang: Auch wenn sich rasante Klavierlinien einmal wie zu einem Spinnennetz verweben ("Zig Zagriyen"), auch wenn vertrackte Breaks einen Beat durchschneiden ("Ladja"), kommt der Musik die Geschmeidigkeit nicht abhanden. Zudem gelingen mit der Ballade "Le Parfum" und dem eröffnenden "Le Bonheur" delikate Lieder ohne Worte. Zwar stimmt es: Ein tönender Stammbaum ist hier (jedenfalls für europäische Ohren) nicht auszumachen. Gleichwohl glänzt diese Musik - durch Feinsinn und Geschmack.