Zugegeben: Jazzballaden können langweilen. Erhöhtes Risiko besteht, wenn ihnen ein Erweckungskuss durch die menschliche Stimme fehlt. Dann kann das Klavier fad dahinplätschern, der Bass hier und da Plumm machen und ein Besen die Trommeln totkitzeln. Und die Musiker? Denken vielleicht schon an die nächste schnelle Nummer.

Nicht so Omer Klein. Alleine am Klavier, eröffnet er sein neues Album mit einer Ballade, und oh Wunder: Wehmut und Bittersüße treffen unmittelbar ins Herz, die Melodie schwingt sich mit einer Chopin-haften Grazie auf. Klein, 34, ist kein Unbekannter. Von der Fachwelt mit Lorbeeren bedacht, lebt der in Israel geborene und in Boston ausgebildete Musiker in Düsseldorf. Nun hat der Landsmann von Avishai Cohen (an dessen federnde Rhythmen und Sehnsuchtsmelodien man fallweise erinnert wird) sein siebentes Album als Leader herausgebracht. Reizvoll vor allem, wenn der Israeli mit seinem Trio in Zwischenzonen agiert: "Sleepwalkers" etwa, eine Art hastiger Trauermarsch, drängt mit klassischen, aber auch orientalischen Wendungen voran. Gewiss: Auf höherem Tempo mündet Kleins Stil im Mainstream des Modern Jazz. Seine Klangspenden tariert er aber auch in quirligen Momenten sorgsam aus. Am 16. März live beim Jazzfestival Steyr.