F. Schubert: Winterreise/Schwanengesang Decca, 2 CDs, ca. 25 Euro.
F. Schubert: Winterreise/Schwanengesang Decca, 2 CDs, ca. 25 Euro.

(os) Der gebürtige Mostviertler Günther Groissböck genießt vor allem in Wagner- und Strauss-Partien weltweit hohes Renommee. Nun mischt er auch den Tonträgermarkt mit seinem ersten Soloalbum auf. Und zwar gleich mit zwei gewichtigen Liederzyklen: Franz Schuberts "Winterreise" und dem posthum zusammengestellten "Schwanengesang" einfühlsam begleitet von Gerold Huber. Damit sucht er den sportiven Vergleich, denn von beiden Zyklen gibt es bekanntlich Aufnahmen wie Sand am Meer.

Die 24 Lieder der "Winterreise" nach Texten von Wilhelm Müller singt er mit seinem samtig-satten Bass tadellos und vor allem mit vorbildlicher Wortdeutlichkeit. Groissböcks Stärken liegen im Operngesang-geschulten dramatischen Ausdruck, was man in "Wetterfahne", "Erstarrung" oder im "stürmischen Morgen" erleben kann. Wenn dem verlassenen Liebenden die Enttäuschung stärker auf das Gemüt drückt, würde man sich noch mehr Blut, noch mehr Fähigkeit zum Mitleiden wünschen. Ohne Abstriche überzeugen die 14 Lieder des "Schwanengesang", die mit ihrem balladenhaften Charakter ausreichend Raum zur Entfaltung bieten.