Es ist schon ein Kunststück, neben den Antipoden Mick Jagger und Keith Richards nicht zu verblassen. Charlie Watts ist es dennoch gelungen: Der Schlagzeuger der Rolling Stones hüllt sich in feines Tuch und hegt ein Faible für Jazz. Letzteres ist nicht nur Koketterie: Es war angeblich Musik von Gerry Mulligan, die ihn zu seinem Instrument brachte. Auf den Trommeln entwickelte Watts dann zwar vor allem einen schnörkellosen Stil, der mit Songs wie "Paint It Black" in die Geschichte einging. In mehr als 50 Stones-Jahren fanden sich aber auch genug Zeitfenster, um in Soloprojekten seine eigenen Fähigkeiten im Jazz herauszustellen.

Um diese zu würdigen, ist die neue CD des Stones-Sir (aufgenommen bereits 2010) aber eher ungeeignet: Watts arbeitet hier mit spärlichen Schlägen einer Auswahl verjazzter Stones-Hits und swingender Stangenware zu und wirkt eher wie der Anhänger als der Motor der Danish Radio Big Band. Für einen 70-Jährigen zwar immer noch respektabel. Sein Händchen für den Jazz offenbart sich aber eher in früheren Alben (etwa "From One Charlie").