Es stimmt schon: Musik klingt live einfach lebendiger. Manchmal sogar deutlich besser. Mit gehörig Druck aus der Kehle und den Boxen, kann auch eine mittelmäßige Nummer das Publikum umreißen. Seltsam, aber: Auf Madeleine Peyroux trifft dieses Steigerungsgesetz nicht recht zu. Die Bühnenluft scheint die Nuancen der Sängerin zu verwehen, mitunter gar zu neu-tralisieren. Was für ein Unterschied zu ihren Aufnahmen: Manch ein Album der US-Amerikanerin wirkt wie ein Zaubergefäß, dem eine delikate Magie entsteigt - vor allem, wenn man dieser Musik mit Kopfhörern lauscht. Die Popjazzfolk-Frau arbeitet mit dem vokalen Feinzeichner, sie erzeugt vor allem im mittleren Lautstärkenbereich eine enorme Vielfalt. Flattrige Töne treffen da auf schelmische Schleifer, bebende Spitzen auf intim geformte Konsonanten. Das alles treibt in einem melodischen Fluss dahin - versonnen, mäßig bewegt, intim.

Ebenso präsentiert sich Peyroux’ jüngstes Album, das lediglich in Trio-Besetzung in einer englischen Landkirche entstanden ist. Schrummel- und Zupfgitarre, Kontrabass und selige Harmoniegesänge stiften mit amerikanischen Song-Klassikern wie "Hard Times Come Again No More" (von Stephen Foster) oder "If The Sea Was Whiskey" (vom Blues-Heiligen Willie Dixon) reichlich Erbauung. Live - hoffentlich mit einem Annäherungswert an dieses Charisma - am 5. Juli beim Jazz Fest Wien in der Staatsoper.