Ein Stil kann wie eine Unterschrift sein. Bei Tigran Hamasyan ist das der Fall: Die Musik des 29-jährigen Pianisten erkennt man blind. Da ist einerseits die Anbindung an seine Heimat Armenien: das orientalische Kolorit, die verzwirbelten Rhythmen und Ornamente, die Sehnsuchtsgesänge der Kopfstimme. Da wuchern andererseits Jazzsoli und ruppige Hip-Hop-Anleihen. "Mockroot", das Debütalbum bei Nonesuch Records, geriet zu einem Meisterwerk von komplexer Kraft.

Der Nachfolger, solo am Klavier eingespielt, zeigt sich gemildert. Die Sehnsucht ist geblieben, die Tanzwut ein wenig abgeflaut, dafür eine Freude am (verhältnismäßig) Einfachen hinzugetreten: Die "Etude No. 1" grüßt als kleiner Sonnenschein, "Fides Tua" als erhabene Hymne.