Ein einstiger "Arkansas Farmboy" sagt "Adiós": Glen Campbell im Jahr 2011, dem Jahr seiner Alzheimer-Diagnose. - © Collin Stark
Ein einstiger "Arkansas Farmboy" sagt "Adiós": Glen Campbell im Jahr 2011, dem Jahr seiner Alzheimer-Diagnose. - © Collin Stark

Irgendwann vor mittlerweile 50 bis 60 Jahren war Pop mehr als nur ein großes Versprechen. Pop war der Soundtrack zum Aufbruch, der sich dem Leben seiner Hörerschaft zwischen Fun, Fun, Fun, Surfer Girls und dem Wunsch, mit Dads Chevy durchs Land zu brausen (und darin auf dem Rücksitz mehr als nur Händchen zu halten), verschrieb - und auch deshalb nur ein vom Wirtschaftswunder begünstigtes Morgen kannte, weil noch kein Gestern existierte. Alles war neu und wurde gerade erfunden. Mit der Fender-Stratocaster-Gitarre als Fundament, hübschen und oft hübsch einfachen, von Händeklatschen begleiteten Strophe-Bridge-Refrain-Songs als DNA und der Grundsteinlegung des sexuellen Erwachens kreiiiiischender Teenager auf den Straßen (die Welt wird verrückt!) war ein Gedanke definitiv weiter entfernt als der Mond, bis zu dem es jetzt gar nicht mehr so weit war: Dass diese ausgelassene Zeit der Teenage Days irgendwann enden könnte - und einem das echte Leben einmal den Streich des Älterwerdens mit all seinen Verfallserscheinungen bis zum bitteren Ende spielt.

Unsterblicher Mythos


Gut, es gab damals den Vietnamkrieg, der den Tod in weiter Ferne passieren ließ. Wenn ein Musiker starb, tat er das im Regelfall über Nacht mit dem Lebenshunger als Todesursache und dem Club 27 als Endstation ohne Endstation. Man ist als Mitglied und entsprechender Mythos bekanntlich für immer unsterblich. Rund 50 bis 60 Jahre später ist ein posthumes Fortleben nach einer lebenslangen Musikerkarriere zwar auch sehr wahrscheinlich. Anstelle eines schnellen, von Substanzen erleichterten Abgangs ist aber ein Leidensweg vor den Augen und Ohren der Weltöffentlichkeit getreten. Man weiß das spätestens seit dem letzten Karrierefrühling von Johnny Cash und dessen augenbefeuchtenden Abgesängen vor seinem Tod im Jahr 2003: "What have I become? My sweetest friend. Everyone I know goes away in the end."

Und erst 2016 musste man ja erleben, wie mit Leonard Cohen, der als große Ausnahme schon als beinahe junger Mann in den 60er Jahren nicht die kalifornische Sonne, sondern den Tod besang, starb, kurz nachdem er sich auf seinem hervorragenden Abschiedsalbum "You Want It Darker" mit der Botschaft an den Lord gewandt hatte, jetzt bereit zu sein. Überhaupt hat 2016 zuvor schon mit David Bowies Inszenierung am Kranken- und letztlich Totenbett als Trauerjahr begonnen und dabei erklärt, dass im Geschäft heute sehr viel Gestern vorhanden ist. Pop als Erinnerung.