Charles Lloyd ist ein verdienter, ergrauter Musiker - er ist aber zum Glück keiner, dem man nur noch Lebenswerk-Applaus spenden könnte. Der Mann aus Memphis macht im Alter von 79 Jahren immer noch inspirierten Gebrauch von Saxofon und Flöte. Seine Sologirlanden spannen sich luftig und delikat, und sie atmen jene Achtsamkeit, die Lloyd auch aus religiösen Gründen pflegt - er flüchtete einst in die Arme des Buddhismus, nachdem er allzu arg in den Festival-Trubel der Hippies geraten war. Die hatte er in den späten 60ern, als einer der wenigen seines Fachs, mit souligem Jazz in seinen Bann gezogen.

Musik dieser Art ist auch auf Lloyds neuem Live-Album zu hören: "Tagore On The Delta" etwa fährt, dank erdigem Bass und fluffiger Flöte, unmittelbar in die Beine. Mit "Passin’ Thru" gelingt dem weißbärtigen Kappenträger zudem eine pfiffige Titelnummer. Dazu setzt es einige musikalische Meditationen, wie man sie seit Jahren von Lloyd kennt. Dank der exzellenten Quartett-Besetzung (mit den Übermusikern Jason Moran am Klavier und Eric Harland am Schlagzeug) entwickeln diese Langstrecken-Stücke allerdings Sogwirkung. Eine Empfehlung, nicht nur für die Hifi-Anlage: Am 24. Juli live im Porgy & Bess.