"It’s my pleasure, it’s my pleasure! That’s what we are here for!" Bevor Leslie Feist als Headlinerin gleich zu Beginn ihres Konzerts auf Vergnügen besteht, gibt es am dritten und letzten Tag des "Out Of The Woods"-Festivals in Wiesen noch so manches zu erleben. Inmitten der malerischen burgenländischen Wald- und Hügellandschaft kann man auf einem entspannten Festivalareal bereits am frühen Samstagabend etwa den menschenfreundlichen Folkpop der Strumbellas aus Kanada hören, die so floskelhaft-nett und wohlerzogen sind, dass man sich direkt schreckt, wenn man aus Wien kommt. Man wird vom Gedanken förmlich überrumpelt, dass es zur Abwechslung einmal erfrischend sein könnte, von der Bühne herab unhöflich Wirscheres zu hören. Mehr Reibung.

Dramatisch geschmettert

Zum Glück gibt es Benjamin Clementine, der den Job im Anschluss mit, ähm, "Pleasure" übernimmt. Der 28-jährige britische Sänger mit einem Vorleben als obdachloser Straßenmusiker in Paris ist dermaßen darüber empört, dass die Leute am Areal lieber gemütlich bei Getränken auf der Wiese sitzen, als sich näher an der Bühne ganz auf seine vielleicht etwas anstrengendere Kunst einzulassen, dass ihm gleich einmal die Sicherung durchbrennt: "Who the fuck do you think you are?!?" Nach einer Publikumsbeschimpfung mit der Empfehlung an die hinteren Reihen, doch besser nach Hause zu gehen, wird der zeitlich ohnehin recht knapp bemessene Auftritt aber irgendwann doch noch fortgesetzt. Man bekommt dann von Clementine im Blaumann und seinem fünfköpfigen, gerne ins opernhaft Übersteigerte kippenden Gefangenenchor plus Band rückblickend recht schön dargelegt, dass der Mann eine ziemliche Drama Queen ist. Dramatisch geschmetterte, gospelig grundgefärbte, mit Jazzbezug poetisch aufgeladene Lieder des Hünen mit der Little-Richard-Frisur tragen Titel wie "Condolence", "By The Ports Of Europe" oder "Phantom Of Aleppoville". Sie sprechen eher keine angenehmen Wahrheiten an.

Gleichfalls wenig "Pleasure" im eigentlichen Sinn verspricht im Anschluss der Auftritt von Christopher Taylor als Sohn. Mein Gott, das Konzert beginnt katholisch-schuldig und demütig unterdrückt mit der Zeile "Oh Lord! I got lost along the way you set for me …". Nach Wanderjahren mit dem nicht ganz so glücklichen Projekt Trouble Over Tokyo ging es für Taylor unter seinem neuen Alias noch vor dem Debütalbum "Tremors" von 2014 verdientermaßen an die Ernte. Der einstige Wahlwiener mit aktuellem Wohnsitz im sonnigen Kalifornien schreibt, produziert und remixt jetzt für Namen wie Lana Del Rey, The Weeknd, Banks und Kwabs, während sich eigene Songs zeitgeistig-modern zwischen Londoner Bassmusik im Zeichen des Post-Dubstep, Neo-R&B und elektronischem Songwriting bewegen – und dort recht betrübt sind.