Bei dem Isländer mit dem - nicht weniger originellen - Namen Ásgeir läge der Vergleich zu seinen Landsleuten von Sigur Rós schon geografisch nahe; dessen neues Album, "Afterglow", klingt indes wiederum viel mehr nach - Bon Iver (in dessen noch weniger experimentellen Phase). Die Kopfstimme des Sängers, eingebettet in meist geschmackvolle R’n’B-Arrangements und -Collagen, würde sich als skandinavischer Import auch in Justin Vernons Holzhütte (wo sich der einst als Bon Iver erfand) gut machen. Mit dem prismatisch glitzerenden "Stardust" wirft das ansonsten eher verschachtelt-vertrackt angelegte Album sogar einen veritablen Hit ab.

Bevor Ende August das neue Album von The War On Drugs erscheint (von dem uns mit der elfminütigen Auskoppelung "Thinking Of A Place" schon ein grandioser Vorbote erreichte), kann man sich mit der kanadischen Band The Wooden Sky und deren neuem Album, "Swimming In Strange Waters", schon einmal bestens darauf einstimmen und quasi warmhören. Deren breit ausholender, psychedelischer Folk, mit mäandernden Prärie-Gitarren, exem-plarisch in dem Song "Riding In The Wind" nachzuhören, entspricht in Gestus und Klangsprache den Gewohnheiten von Adam Granduciels Bandprojekt The War On Drugs schon sehr - und ist ihm wirklich zum Verwechseln ähnlich. Guter Stoff, da wie dort.

Das Kunststück, gleich wie eine ganze Epoche, ja ein gesamtes Jahrzehnt zu klingen, gelingt Dan Auerbach auf "Waiting On A Song". Ansonsten bestimmender Teil der rumpelnden Blues-Rock-Band Black Keys, wagt sich der in Nashville beheimatete Sänger & Gitarrist auf seinem zweiten Soloalbum (das erste hatte er als The Arcs eingespielt) tief in die Siebzigerjahre.

Mit in dieser Zeit und ihrer Ästhetik bestens vertrauten und darin bewanderten instrumentellen Mitstreitern, die einst u.a. für Johnny Cash oder Elvis spielten, lässt Auerbach mittels Twang-Gitarren, fetten Orgelschlieren und stax-souligen Bläsersätzen einen schillernden Regenbogen aus frenetisch-fröhlichen Songs entstehen, denen ein herrlich entspanntes Glücksgefühl innewohnt.

Wer von "Malibu Man", "Shine On Me" oder "Never In My Wildest Dreams" nicht verzaubert wird, dem ist in diesem Sommer nicht mehr zu helfen.