Der Senior half dem Nachwuchsrocker aus der Patsche, wenn die Telefonkosten wieder 15.000 Schilling erreichten, und kopierte die bluttriefenden Anzeigenflyer mit Pentagrammen und umgedrehten Kreuzen - ausgerechnet im Pfarramt. "Das hat zunächst nichts gekostet, und dem Pfarrer war es egal", sagt Riedler. Mit zunehmendem Erfolg interessierte sich allerdings die Staatspolizei für die vermeintlichen Satansanbeter: "Als Österreich noch nicht in der EU war, hat sich der Zoll solche Sendungen genau angesehen. Speziell die CD ‚Youth Against Christ‘ der niederländischen Band Altar kam ihnen wohl verdächtig vor, weswegen ich wenig später Besuch von der Polizei bekam. Die wollten wissen, ob es sich bei Napalm Records um eine Sekte oder eine kriminelle Vereinigung handelt."

Nummer-1-Alben

Aufhalten konnten sie den Aufstieg der Metallschmiede nicht. Mit den Norwegern Tristania wurde Ende der 90er das Potenzial des aufstrebenden Gothic Metal ausgeschöpft, mit den Symphonic-Metallern Leaves’ Eyes wagte man sich erstmals an eine groß angelegte TV-Kampagne, die US-Rocker Monster Magnet sorgten ab 2010 verstärkt für internationale Aufmerksamkeit und mit den deutschen Bands Powerwolf und Saltatio Mortis folgten die ersten Nummer-1-Alben. Der letzte große Wurf war ein Top-3-Erfolg in den britischen Charts mit den hochdekorierten US-Bestsellern Alter Bridge. Doch längst hat sich die Firma weitere Standbeine aufgebaut. Mit "Metal On The Hill" wird ein Festival am Grazer Schloßberg veranstaltet, ein eigenes Verlagshaus trägt den Namen Iron Avantgarde Publishing und unter dem Label "Wülde Hoamat" werden Trachten und Lederhosen unters Volk gebracht.

Keine Ideologien

Berührungsängste kennen die Firmenchefs nicht, auch das Wort "Patriotismus" ist für sie nicht negativ behaftet: "Unser Logo mit dem Doppelkopf-Adler war eine Referenz an das Kaiserreich - ein Kopf steht für Rock und der andere für Metal. Wir wollten damit unser eigenes Metal-Kaiserreich aufziehen. Für das rot-weiß-rote Emblem bekamen wir viel Kritik, was ich merkwürdig finde - in den USA oder in Finnland würden so etwas alle cool finden", schüttelt Riedler den Kopf. Er verwehrt sich auch gegen politische Vereinnahmung, auch wenn mit Varg derzeit eine Band unter Vertrag steht, die wegen ihrer an AfD-Parolen gemahnenden Texte umstritten ist: "Wir lassen die Finger von Künstlern, die politisch eindeutig in eine bestimmte Richtung tendieren. Bei uns steht die Musik im Vordergrund - und Musik ist Unterhaltung, da haben politische Statements und Ideologien nichts verloren. Varg haben sich deutlich vom rechten Rand distanziert, wodurch die Sache für uns in Ordnung geht", so Caser.

Nach wie vor lebt Riedler gerne in Eisenerz, genießt die Ruhe, wenn er von seinen zahlreichen Reisen zurückkehrt, und die Laufrunden in der menschenleeren Natur. Umgekehrt haben auch die Eisenerzer ihren Frieden mit Heavy Metal und Napalm Records geschlossen, wofür der Firmengründer eine eigene Interpretation hat: "Wenn ich einem Eisenerzer sage, dass ich eine Plattenfirma betreibe, dann glaubt der, ich stelle Holzplatten her."

Metal on the Hill Festival,

11. und 12. August,

Schloßberg Graz