Dass sich heimische Popmusik aktuellen Datums hoher Beliebtheit erfreut, wird jährlich nicht nur zu Zeiten des Wiener Popfests richtig festgestellt. Spätestens seit dem Auftauchen von Al Bird Sputnik als Schatzheber und umtriebiger Trash-Rock-Archivar weit über seine beliebten "Schnitzelbeat"-Kompilationen hinaus, stehen aber auch die Ursprünge der heimischen Popkultur unter besonderer Berücksichtigung von Beatmusik und Garagenrock mit oft schlechtem Englisch im Fokus.

Das ist toll - und bekommt derzeit Nachschub in Form der mit vier Songs knapp gehaltenen Zusammenstellung "Johnny Silver Is Coming Town", die das steirische Herzblutlabel Pumpkin Records soeben in einer limitierten Vinyl-Auflage von 300 Stück veröffentlicht hat.

Johnny Silver ist die Kunstfigur des österreichischen Schauspielers Johannes Silberschneider, den man nicht nur als Tschecheranten aus der Fernsehserie "Trautmann" kennen könnte. Mit Ursprüngen in den 1980er Jahren kam seine Musik bereits zum Zeitpunkt ihrer Ersteinspielung natürlich zu spät. Als Wiedergänger eines Vintagerock mit Jukebox-Hintergrund, der womöglich in Memphis, Chicago oder Detroit entstand, sollte zu dieser Tatsache aber auch seine Herkunft aus der nicht zwingend an der Speerspitze des Rock’n’ Roll stehenden steirischen Marktgemeinde Mautern gut passen.

Die ursprünglich überwiegend für Kassettensampler auf Wolfgang Strobls Label Dum Dum Records aufgenommenen Songs wurden zwar klanglich überholt, klingen glücklicherweise aber - wie sagt man doch? - nach wie vor sehr authentisch: Es kracht und rumst und rauscht vom eröffnenden Smokey-Robinson-Hit "I Second That Emotion" über den als Hosentürlreiber konzipierten Doo-wop von "Once Upon A Time" bis hin zu "At The Club" von The Drifters, in das Johnny Silver gleich selbst kritisch interveniert.

Dank der Beigabe von "Santa Claus Is Coming To Town" eignet sich dieses Fundstück als Weihnachtsgeschenk. Als Kaufargument für sich sind aber auch die Bandfotos auf dem Backcover zu bezeichnen.