Solidaritätskonzerte im Zeichen von Sensibilisierung (für ein Thema oder Problemfeld) und Lukrierung (von Aufmerksamkeit und Spenden) stehen popkulturell nicht erst heute grundsätzlich hoch im Kurs. Auch wenn sie der breiten Masse als alle 20 Jahre abgehaltene Superstarspektakel in gigantomanischer "Live Aid"-Form mit U2-Anschluss bekannt sein mögen, sieht es in Wahrheit doch etwas anders aus. Immer wieder findet man gerade im lokalen Bereich kleine große Schulterschlüsse mit Rettungsschirmfunktion. Hier geht der veranstaltungstechnisch ohnehin an wenig Geld für sich selbst gewöhnte Underground als Vorbild voran - und forciert die Kräfte für jene, die dringend Hilfe brauchen.

Die Reihe "Gürtel Connection", die heute, Mittwoch, in zahlreichen Locations am (richtig!) Wiener Gürtel über die Bühne geht, hat in ihren drei bisherigen Durchgängen bereits Spenden für die Vereine Wieder Wohnen, Ute Bock und die Wiener Frauenhäuser gesammelt. In der vierten Saison (und passend zum langsam absehbaren Einfall der Kälte) legt man sich für die von der Caritas betriebene Gruft ins Zeug, die Obdachlosen bekanntlich mit Schlafstellen, Mahlzeiten, Duschmöglichkeiten, frischer Kleidung und medizinischer Betreuung aushilft - seit 31 Jahren in der Barnabitengasse und somit direkt neben der auf schnöden Konsum fokussierten "Mahü", sowie seit 2012 zusätzlich mit einem Ableger in Währing. 24/7 an 365 Tagen im Jahr.

Selbst ausgewiesene Tunichtgute wie Leutnant Ungustl ("Scheiß Ois") oder der rabiate Mostviertler Rabaukenvierer Franz Fuexe ("Danke, Oasch!") zeigen aus diesem Anlass Herz und spielen heuer im Rahmen der "Gürtel Connection" für die gute Sache auf. Rund 50 weitere Acts (und DJs) von The Helmut Bergers und Lovecat über Alex Miksch und James Hersey bis hin zu den Tents ergänzen das Programm, das aufgrund des nachfolgenden Nationalfeiertags an Örtlichkeiten zwischen The Loft, Auslage, Kramladen und Rhiz ohne schlechtes Gewissen bis in die frühen Morgenstunden zelebriert werden kann.

Schattenpop


Explizit empfohlen seien an dieser Stelle zwei Dinge. Erstens: Der Auftritt von Philipp Hanich alias Bruch mit seinem stilistisch vielseitigen, gerne vom Selbstzweifel in den Gegenangriff übergehenden Schattenpop aus dem aktuellen Album "The Lottery" (Cut Surface) im Chelsea (Beginn: 20.30 Uhr). Und zweitens: Bitteschön etwas an den Tag gelegte Großzügigkeit bei den Spenden. Sparen für sich selbst zahlt sich bei den Zinsen heute ja sowieso nicht mehr aus.