Gute Freunde werden der Jazz und das Orchester wohl nicht mehr. Zusammenkünfte der beiden führen selten zu einem Mehrwert; meist begräbt die klassische Klangmasse das improvisierende Gegenüber. Eine rare Ausnahme ist die vorliegende Scheibe. Warum? Einerseits ist das Orchester eher schlank besetzt (es spielt eine Delegation der Berliner Philharmoniker), zweitens wird es nur fallweise tätig und liefert dann nicht nur Klangvolumen, sondern wirkt fast so aufgekratzt wie die Jazzband.

Und das will etwas heißen, denn der Mann am Klavier ist Stefano Bollani. Das Springinkerl mit dem überschießenden Spielwitz jagt im Rahmen eines italienischen Crossover-Programms (von Monteverdi bis Conte) über die Tasten, als gäbe es kein Morgen, und verschwistert dabei südländische Melodienseligkeit mit rhythmischem Furor unter Hinzufügung von musikalischem Schabernack (auch reichlich in Geir Lysnes Arrangements vorhanden). Anspieltipps: das groovende "Azzurro" mit dem kessen Schluss, außerdem der beschwingte Liebesdienst am Landsmann Puccini: "O mio babbino caro", hier aufgepflanzt zwischen Orchester-Bravour und Pianobar-Schmachtfetzen.