Für das, was man profan als Tuareg-Musik oder etwas poetischer als Desert Blues bezeichnet, sind Tinariwen in etwa das, was The Who für die Rockmusik waren: Bahnbrecher, Wegweiser, Vorbild. Damit die Sache nicht epigonal wird, muss man sich irgendwann aber aus dem Schatten der Urväter lösen. Von all den Tuareg-Bands von Terakaft bis Tamikrest gelingt das (neben dem famosen Bombino) derzeit Imarhan am besten. Die fünf Musiker aus dem algerischen Tamanrasset (dort gründeten sich einst auch Tinariwen) bleiben ihren Sahara-Wurzeln treu und schaffen es gleichzeitig, ihren Wüstenrock kunstvoll mit allerlei Funk-, Disco-, Soul- oder Rai-Elementen anzureichern.

"Temet", ihr zweites Album nach dem selbstbetitelten Debüt von 2016, dessen Titel übersetzt so viel wie "Verbindung" bedeutet, bietet Weltmusik im Wortsinne: eine fein austarierte musikalische Melange, die aufregend,
vielschichtig und trotzdem vollkommen unangestrengt ist. Weltklassemusik eben.