Das Familienunternehmen, das prosperiert: Die Kelly Family im Jahr 2017. - © Helen Sobiralski
Das Familienunternehmen, das prosperiert: Die Kelly Family im Jahr 2017. - © Helen Sobiralski

Aktuell ins Postfach flatternde Newsletter von größeren Modehäusern beweisen es: Karo hat wieder Saison. Im Verbund mit bevorzugt mauergrauen und erdfarbenen Texhages-Gedenkstoffen erinnern die damit verzierten Teile schnell an die Art Kleidung, wie sie von heimischen Pensionisten getragen wurde, die einst noch im Weltkrieg waren.

Bis heute wird ein ähnlicher Look von Waffenlobbyisten geschätzt, wenn sie in ihrer Freizeit in den Wald Tiere erschießen gehen - aber nicht, weil sie Hunger haben. Die angestaubte Variante im königlich-britischen Stil mit Cup of Tea in der Hand gilt dieser Tage aber auch durch Meghan Markle wieder als hip. So berichten es neben der bunt bedruckten Klatsch-und-Tratsch-Presse auch einschlägige Style-Blogs im Internet.

Hysterie im Schulhof

Das Comeback der außerdem zu Walla-Walla-Kleidern, Leinenblusen mit Rüschen, auch von Hexenverbrennungen im Mittelalter oder tonnenförmigen Starsopranistinnen bei Wagner-Festspielen in Bayreuth bekannten Stoffzelten neigenden Kelly Family kommt also gerade auch modisch zu einer günstigen Zeit. Seit dem Vorjahr touren zumindest sieben Geschwister der musikalischen Großfamilie wieder gemeinsam, um nach den nun bereits hinlänglich abgefeierten 1980er Jahren (die natürlich auch weiterhin umgehen werden) endlich zum 1990er-Revival zu laden.

Rückblickend kann man über dieses Jahrzehnt ruhigen Gewissens sagen, dass Tschernobyl damals Geschichte war und 9/11 noch nichts weiter als eine Zahlenkombination mit Schrägstrich. Dafür bekam man es wegen der Kelly Family mit harten musikalischen Realitäten wie "An Angel" (dem Prä-Stimmbruch-Hit) oder "ICan’tHelpMyself" (der Post-Stimmbruch-Ballade) zu tun - und mit der damit ursächlich verbundenen Hysterie der Klassenkolleginnen in der Zehnerpause im Schulhof hinsichtlich "Päddiiiihiiiiiiii"! und "Aber der Aaaaaangelo!".

Hinter der Hippie-Fassade

Nach Jahren als fahrender Hippie-Clan zwischen Schlager und Folklore mit barfüßiger Kinderarbeit in Form von Gratiskonzerten in europäischen Fußgängerzonen anstatt regulärer Schulbesuche wurde die Kopfgeburt des Familienpatriarchen und, sagen wir, "Home-Schooling-Vorreiters" Dan Kelly in der "Wetten, dass..?"-Empfangszone und etwas darüber hinaus (definitiv aber nicht in den partiell heimatlichen USA) weltberühmt. Und sie wurde vor ihrem Hausboot in Köln in einem Ausmaß belagert, dass das vormals etwa auch vom Genossen Breschnew und dem rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu bewohnte nordrhein-westfälische Schloss Gymnich, der spätere finanztechnische Klotz am Bein und erbrechtliche Harmoniegefährder der Familie, als Ausweichquartier herhalten musste.