Nachdem die letzten Albumveröffentlichungen des Musikers jeweils explizit ausgewiesene Gemeinschaftswerke waren - "Everything That Happens Will Happen Today" 2008 erneut mit Brian Eno, "Here Lies Love" zwei Jahre darauf mit Norman Cook und 2012 schließlich das tolle, Laptop und Blechbläser kurzschließende "Love This Giant" mit St. Vincent (hey, eine Frau!) -, kommt "American Utopia" nun erstmals seit geschlagenen vierzehn Karriere- und Lebensjahren als neues Soloalbum daher.

Unter den eingangs erwähnten Kollaborationspartnern unterstützend dabei: abermals Brian Eno sowie Produzent Rodaidh McDonald (The xx, Adele, King Krule), das Neo-Soulwunder Sampha aus London oder etwa auch Soundbastler Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never. Im Zentrum steht diesmal der konventionellere Popsong, den Byrne vor allem um elektronische Soundsphären, die gewohnten Funk-Gitarren und seinen vertrauten, einprägsamen Harmoniegesang ergänzt.

Das fällt gerne im Midtempo tanzbar aus und kommt bei hübschen wie hübsch sanften Balladen wie "Here", "Dog’s Mind" und nicht zuletzt "This Is That" sehr einnehmend im Schwebezustand daher. Bei dem aus einem ähnlichen Holz geschnitzten "Doing The Right Thing" wiederum erlaubt sich der Produzentenstab einen Scherz - und fährt in einem Intermezzo mit verspielter Freak-Elektronik auf, die unüberhörbar die Kollegen von Hot Chip zitiert.

Bald live in Wien

Als textlich-musikalisches Stilmittel und Bindeglied Numero Uno setzt David Byrne dazu auf eine Art Funk-Gstanzl, das (alltags-)philosophisch diverse Unzulänglichkeiten adressiert - und gleichfalls auf Humor setzen darf: "Now a dog cannot imagine / What it is to drive a car / And we in turn are limited / By what it is we are."

Ob es ein Zufall ist, dass das Album ausgerechnet im Vorfeld des Weltglückstags am 20. März erscheint, ist nicht überliefert. Als sicher gilt, dass David Byrne am 26. Juni im Wiener Museumsquartier auftreten - und dort tanzend und singend gegen das Unglück der Welt vorrücken - wird.