Wien. "One love", eine der bekanntesten Textzeilen des Musikers Bob Marley, scheint schon länger kein Konsens mehr zu sein in der jamaikanischen Reggae-Szene. Es geht nämlich auch anders: "Bun a fire pon a poppa pon mister fagoty!" Was für ein in Patois ungeübtes Ohr kaum verständlich klingt, ist ein völlig unverklausierter Aufruf, Schwule zu verbrennen und zu ertränken. Die Textzeile des Liedes "Another level" stammt aus dem Jahr 2000 und entsprang der Feder des jamaikanischen Reggae-Stars Bounty Killer. Rodney Price, wie der Musiker im bürgerlichen Namen heißt, steht damit nicht allein. Viele seiner Weggefährten aus der Reggae-Szene Jamaikas haben über die letzten zwei Jahrzehnte ähnliche Texte verfasst. Sie trugen damit in Jamaika zu einem Klima der Gewalt gegen sexuelle Minderheiten bei, das immer wieder in gewaltsamen Übergriffen und Mord gipfelte. Nicht nur ist gleichgeschlechtlicher Sex auf der Karibikinsel verboten, erst 2013 wurde der 16-jährige Dwayne Jones auf offener Straße erschlagen, weil er Frauenkleidung trug.

"Mit Laser Schwule killen"

Obwohl er in seinen Liedern auch soziale Ungerechtigkeit wie Armut anprangert, galt Bounty Killer lange als einer der aggressivsten Vertreter der "Battyman Tunes", wie die homophobe Textschreibe genannt wird. Das eingangs zitierte Lied "Another level" sollte nämlich keine Ausnahme bleiben: In "Look good" fantasiert der heute 45-jährige Rodney Price, Schwule mit einem Laserbeamer auszulöschen, im Lied "The greatest" fordert er dazu auf, sie gnadenlos zu verbrennen.

Anlässlich des geplanten Wien-Auftritts von Bounty Killer im Mai regt sich erste Kritik. Schwul-lesbische Organisationen sind mit den Veranstaltern und der Location Der Reigen in Kontakt getreten.

Dabei ist das Problem um homophobe Dancehall-Musiker keineswegs neu. Schon im Jahr 2008 gab es Widerstand aus der LGBT-Community, als Bounty Killer in Wien auftreten sollte. Damals wurden neben Wien zahlreiche Konzerte in ganz Europa abgesagt. Wenige Jahre später kam Sizzla, ein weiterer Reggae-Act mit gewaltverherrlichenden Texten, nach Wien und entfachte eine öffentliche Debatte. Er konnte damals nur auftreten, nachdem er den Veranstaltern vertraglich zusicherte, keine schwulenfeindlichen Lieder zu spielen. Zudem wurde die Songliste seines bevorstehenden Auftritts veröffentlicht.

Sizzla Kalonji ist allerdings auch einer derjenigen Künstler, die aufgrund der internationalen Debatte um homophobe Texte im Reggae mittlerweile den Reggae Compassion Act (RCA) unterzeichneten. Der RCA ist eine freiwillige Selbstverpflichtung, die Musikern das Spielen homophober Lieder und ihre weitere Vermarktung verbietet. Neben Sizzla haben zahlreiche weitere jamaikanische Musiker das öffentliche Statement unterzeichnet. Bis heute nicht unterschrieben hat ihn Rodney Price, alias Bounty Killer.