Es ist so eine Sache, wenn DJs, Produzenten oder Instrumental-
ensembles aus dem elektronischen Fach mit Gastmusikern - meistens Sängern - arbeiten: Solche Projekte von den Chemical Brothers oder Daft Punk klingen schnell beliebig; irgendwie muten sie an wie ein Almabtrieb oder eine Fernsehpreisverleihung, wo sich Promi um Promi in die Auslage stellt und um besondere Worte ringt.

Mouse On Mars haben auch immer wieder mit Gastmusikern gearbeitet, die Kompilation "21 Again" versammelte im Jahr 2014 etwa ausschließlich Kooperationen (mit Laetitia Sadier, Funkstörung, Ingrid & Oswald Wiener, Modeselektor u.v.m.), aber das war auch eine Geburtstagsplatte zum damals 21. Bandjubiläum.

Mitgestaltende Gäste

Zumeist verfolgte das 1993 in Düsseldorf gegründete und heute in Berlin ansässige Duo aus Jan St. Werner und Andi Toma allerdings konzentrierte Projekte mit Partnern - das belegte so nach- wie eindrücklich die LP "Tromatic Reflexxions", die Mouse On Mars 2007 mit einem glänzend schlecht aufgelegten und bruchstückhaft in martialischem Deutsch rappenden The-Fall-Boss Mark E. Smith unter dem Namen Von Südenfed aufnahmen.

Auf ihrem neuen Album, "Dimensional People", werden Mouse On Mars von schlanken fünfzig Leuten unterstützt. Bon Ivers Justin Vernon, Zach Condon (Beirut), die Brüder Aaron und Bryce Dessner von den Indie-Heroen The National, die Rapper Spank Rock und Amanda Blank, Soul-Sänger Swamp Dogg, die irische Folk-Sängerin Lisa Hannigan oder der US-amerikanische Roots-Musiker Sam Amidon stehen da neben alten Weggefährten wie dem Ensemble Musikfabrik und dem DJ, Produzenten, Sänger und Pianisten Eric D. Clark auf der Gästeliste.

Diese Schar ist weit mehr als großes Orchester denn als "Einer nach dem anderen"-Starauflauf zu verstehen. Die Gäste sind nicht einfach dabei, sondern mitgestaltend in das große Ganze verwoben. Die meisten von ihnen kommen zu gleich mehreren Einsätzen - manche, wie Condon, dessen Stimme wie eine grundierende Klangfarbe eingesetzt wird, stehen dabei nie richtig im Vordergrund.

Im Prinzip gleicht "Dimensional People", das de facto als (Klang-)Installation angelegt ist, einer Oper - nur dass es hier kein Narrativ gibt: Die Texte sind oft nur hingeworfene Wortfetzen und haben (mit der bedingten Ausnahme von Swamp Doggs "Résumé", das eine erratische Karriere bilanziert) selten eine tiefere Bedeutung. Was hier spricht, ist der Sound. Man kann es auch so sagen: Der Sound ist die Message.

Die zwölf Stücke des 44 Minuten langen Albums fließen übergangslos ineinander. Dramaturgisch sind gewisse Schwerpunkte auszumachen; deren erster ist der Titelsong, der "Dimensional People" in Form einer fast 13 Minuten langen Trilogie eröffnet.

Jazziger Grundton

Seinen Anfang bildet ein heftiges perkussives Geratter, das Gesellschaft von abtastenden elektronischen Texturen bekommt, von einem behutsamen Saxofon interpunktiert und durch echtes Schlagzeug verdichtet wird.

Dann setzt Justin Vernon ein, der den zweiten Teil nicht nur stimmlich akzentuiert: Seine einsilbige Gitarre, die von einer auch nicht wirklich üppigen Slide-Gitarre kontrastiert und von jetzt sehr lauten Hand-Drums unterlegt ist, stellt im Zusammenspiel mit vielen Noise-Einsprengseln die Stimmung auf störrisch. Kontrastprogramm dann in Teil drei, wo sich Kontemplation breitmacht, und Vernons gesanglicher Vortrag, begleitet von Holzbläsern, eine spirituelle Anmutung annimmt.

Das Großartige an "Dimensional People" ist, dass es nie nachlässt. Nur erweitern Schritt für Schritt weitere Elemente und Stilmittel den jazzigen Grundton des Einstiegs: "Foul Mouth" und "Aviation" vermengen verfremdete Hinter- und Untergrund-Vokalharmonien à la Beach Boys mit kräftigem Rhythmus. In den ersten Teil von "Parliament Of Aliens" - ebenfalls eine Trilogie, deren Teile aber nicht hintereinander gegeben werden - fährt plötzlich eine Country-Fiedel in maschinelle Unwetter.

Fragmentiert kommt dann das besagte "Résumé" daher, während sich "Sidney In A Cup" zum Abschluss zugänglich wie kein anderer Titel gibt. Gewissermaßen das versöhnliche Finale einer gewaltig (heraus-)fordernden Platte.