Am Anfang war der Hype: Als GHOST 2010 ihr Debütalbum "Opus Eponymous" veröffentlichten, wurden die Schweden sofort zum heiß diskutierten Gesprächsthema. Das lag nur bedingt an der Musik, denn der Retro-Rock mit Anleihen aus der goldenen Ära des Hardrock war in den Anfangstagen durchaus ausbaufähig. Doch das Gesamtkonzept unterschied die Band von Beginn an von zahlreichen Mitbewerbern: Alle Mitglieder blieben anonym, versteckten sich hinter Kutten und Dämonenmasken, der Sänger tänzelte unter dem Namen "Papa Emeritus" als Skelett-Papst über die Bühne.

Die Artworks zitierten diverse Filmklassiker und die Texte spielten meist mehr, oft weniger subtil mit okkulten Symbolen. Das war böse, originell, verführerisch - und mit den folgenden Alben "Infestissumam" und "Meliora" zunehmend auch musikalisch wertvoll. Als Belohnung winkten weltweit immer höhere Chartnotierungen und 2016 der vorläufige Höhepunkt: Als erste Band, die nicht aus Großbritannien oder den USA stammt, wurden GHOST mit dem "Grammy Award for Best Metal Performance" ausgezeichnet.

Wie ein Film

Gleichzeitig begann die Fassade des bislang anonymen und geheimnisvollen Projekts zu bröckeln: Der Musiker Tobias Forge, der zuvor unter anderem in Bands wie Repugnant oder Crashdïet spielte, outete sich als Strippenzieher, Komponist und Sänger von GHOST. Allerdings nicht ganz freiwillig: Zuvor hatte er sich mit seinen anderen Mitmusikern überworfen, welche nach ihrem Rauswurf vor Gericht zogen, um Rechte und Tantiemen einzuklagen. Forge ergriff die Flucht nach vorne und veröffentlichte dieser Tage mit "Prequelle" sein bisher bestes und ausgereiftestes Album. "Diese Platte sollte all das sein, was die Vorgänger aus unterschiedlichen Gründen nicht sein konnten. Ich wollte ein Album machen, das brillantere Höhen und dunklere Tiefen hat und die Extreme des Band-Kosmos ein wenig mehr auslotet. Es gibt anspruchsvolle Instrumentalstücke, also mussten die anderen Lieder direkt auf den Punkt kommen - simple Pop-Rock-Banger, die sofort zünden, damit das Gesamtgericht bekömmlich schmeckt. Jedes Detail spielt seine Rolle in der Geschichte. Das ist ein bisschen so, als ob man einen Film macht: Wenn man eine Szene dreht, muss man achten, dass die nächste anders wird, damit die Balance stimmt", erklärt Forge die Herangehensweise an das Album.

Es gibt also vieles, was GHOST von anderen Mitbewerbern unterscheidet: ein durchdachtes Gesamtkonzept, eine originäre, visuelle Ebene mit qualitativ herausstechenden Videos und nicht zuletzt eine immer aufwendigere Live-Show. Dort predigt mittlerweile nicht mehr Papa Emeritus, sondern ein etwas einfältig wirkender Cardinal Copia - unter dessen Maske natürlich ebenfalls Forge geistert. "Ich bin stark von Filmen beeinflusst und bin mit der Pop-Kultur der 80er Jahre aufgewachsen. Durch meine Alben und die Live-Shows zieht sich ein kinematographischer, roter Faden, über den ich eine Geschichte erzähle."