Macht nichts, Bettye LaVette lebt ohnehin im Jetzt, das für sie endlich den Ruhm, den Plattenvertrag und die Einnahmen bereithält, die sie verdient. Und sie ist jetzt auch nicht mehr ganz so ärgerlich, wenn man sagt, sie erlebt ein "Comeback": "Ich war nie weg, woher sollte ich zurückkommen! Das Publikum war halt grad nicht da, wo ich war. Aber ich war immer da!" Noch vor kurzem brachte es sie freilich auf die Palme, dass Barbra Streisand von ihr als Neuentdeckung schwärmte: "Ich dachte mir, verdammt, du solltest mich kennen. Schon lange!"

Ein Tritt zwischen die Beine

Auf die Frage, ob sie als Galionsfigur für das "Niemals Aufgeben" gelten könnte, lacht sie wieder einmal. "Was zum Teufel sollte ich aufgeben? Ich mache das besser als jeder andere in dem Geschäft in meinem Alter! Und außerdem, manchmal sollte man auch etwas aufgeben, Himmel noch mal. Es gibt Leute in dieser Branche, die unbedingt aufgeben sollten!", stellt sie klar.

Wenn man LaVette so zuhört, drängt sich die Frage auf, was hält diese rigorose Dame eigentlich von der MeToo-Bewegung? "Es ist immer gut, wenn die Wahrheit herauskommt. Aber ich persönlich bin seit langem im Showbusiness, und immer wenn mir jemand blöd gekommen ist, hab ich ihm zwischen die Beine getreten und hab ihm gesagt, hau ab."

Diese Direktheit lässt Bettye LaVette auch in ihrer Musik nicht vermissen. Die von Dylan selbst eher pragmatisch vorgetragenen Lieder bekommen eine ganz neue Dynamik, die die Sängerin so erklärt: "Dylan regt sich über alles auf. Ich helfe ihm bei seinen Argumenten: Wenn du mit einer schwarzen Frau streitest, ist sie nach drei Strophen mit dir fertig - und nicht erst nach neun!"