Bandnamen sind wichtig, sie wecken Assoziationen und regen die Fantasie an. Sie sind mehr als eine bloße "Marke", sie stehen auch für einen Lebensstil. Ein klangvoller Name kann für den Erfolg einer Pop-Formation mitentscheidend sein. Das zeigen die Geschichten der zwei bekanntesten britischen Bands der 70er Jahre.

Man muss kein Popexperte sein, um den Sinn von Bandnamen wie Rolling Stones oder Beatles zu erraten, die Assoziationen mit dem jeweils dargebotenen Musikstil wecken - also Rock ’n’ Roll oder Beat. Unter den Millionen Fans der Liverpooler Band etwa fanden sich nicht wenige, die vermeinten, dass Beatles entweder Pilzköpfe oder Käfer seien, wobei man Letztere bei identer Aussprache "Beetles" schreiben müsste.

Ein Missverständnis

Ein zu langer und öder Bandname wäre beinahe einem der bekanntesten Frontmen des Rock aller Zeiten zum Verhängnis geworden. Wer würde sich, bitte, für eine unbekannte und erfolglose Band interessieren, die den Namen Little Boy Blue And The Blue Boys trägt, und deren mit zweifelhaften Gesten agierender Twen-Sänger mit dem Allerweltsvornamen Michael von hagerer Statur, dicker Lippe und fragwürdiger Anmutung ist?

Vermutlich niemand! Doch dieser Little Boy Blue war kein Geringerer als Mick Jagger, der einst keinen Brotberuf hatte, aber einen gefährlich wirkenden Freund namens Keith Richard (im Reisepass ohne "s", denn Richards ist ein Künstlername), der zwei, drei gute Gitarren-Riffs beherrschte.

Das einzige Bandmitglied, das damals regelmäßig Geld verdiente, war der Werbegrafiker Charlie Watts. Die im Gegensatz zu den "sauberen" Beatles zunächst als aufsässig-schmuddelige Garagenband wahrgenommenen Stones begannen dann im Sommer 1962 ihren Aufstieg mit dem neuen Bandnamen Rolling Stones, den sie einem Song von Muddy Waters entlehnten.

Muddy Waters’ blueslastige Komposition, die Jagger und Richards inspirierte, hieß schlicht "Rollin’ Stone", womit bereits ursprünglich ein unsteter, nicht sesshafter Vater adressiert war, der immer dort sein Heim hat, wo er sich gerade niederlegt.


Im Jahr 1963, als ihre erste Single mit alten Hadern wie "Come On" (von Bo Diddley) erschien, lebten Mick Jagger und Keith Richards gemeinsam mit ihrem Kollegen Brian Jones in einer heruntergekommenen Wohnung und kamen dem Ideal eines solchen Rolling Stone durchaus nahe. Und irgendwie passt das Bild stetig umher ziehender Steine heute noch auf die Band, die nach wie vor live performt und solcherart überall zu Hause ist.