Während Jagger und Richard (ab 1977: Richards) richtig die Ohren spitzten, als sie vor Jahrzehnten andächtig dem "Rollin’ Stone" von Muddy Waters lauschten, geht eine andere britische Band auf einen Hörfehler oder ein Missverständnis zurück: Prefab Sprout, die in den 80er Jahren einem komplizierten, sophisticated Pop huldigten, für den der aus Durham im Nordosten Englands stammende Sänger, Multiinstrumentalist und Komponist Patrick McAloon ab Mitte der 1980er Jahre verantwortlich zeichnete.

Der stets umtriebig-schelmische Patrick Joseph lauschte gerade Nancy Sinatra und Lee Hazlewood, die das Lied "Jackson" zum Besten gaben, das von einer Hochzeit in einer Art Fieber handelt und den erotischen Vergleich mit einer Pfefferschote ("pepper sprout") enthält - doch daraus machte Mc Aloon "Prefab Sprout", was auf ein vorfabriziertes Naturprodukt hindeutet, das es realiter gar nicht gibt. Unter dem Namen performt der Songwriter seit dem Abgang seines Bruders Martin und der Sängerin Wendy Smith unbeirrt bis heute allein weiter.

Literatur & Satanismus

Zu den bekanntesten britischen Formationen, die nicht zuletzt aufgrund ihres Albums "The Wall" immer noch weltweit populär sind, zählen Pink Floyd. Ihr Name leitet sich von Pink Anderson und Floyd Council, zwei amerikanischen Countryblues-Musikern, ab, die das im Jahr 2006 verstorbene Gründungsmitglied Syd Barrett inspirierten. Barrett prägte in den Sechzigerjahren als Sänger und Gitarrist nicht nur den esoterischen Sound der Band, er gab ihr zunächst auch den Namen The Pink Floyd Sound.

Doch auf der ersten LP, "The Piper At The Gates Of Dawn", die vor mittlerweile 51 Jahren erschienen ist, firmierte die Band bereits unter Pink Floyd. Kaum zu glauben, dass die Gruppe damals in Alt-Ossiach auf Einladung von Friedrich Gulda aufgetreten ist und dort einen Ansturm an Freaks auslöste, die der beschauliche Kurort noch nicht gesehen hatte.

Wie intellektuell manche Bands ihre Namensfindung betrieben, zeigen nicht nur Deep Purple, die unter anderem Irving Berlin reflektierten, sondern auch Uriah Heep, die eine besonders unsympathisch gezeichnete Figur aus Charles Dickens’ Schlüsselroman "David Copperfield" auswählten, um sich zu vermarkten. Als frühe Vertreter eines teilweise harten, orgellastigen Glamourrock gelang es der Band, den negativ besetzten Romanhelden Uriah Heep allerdings in eine positiv konnotierte künstlerische Formation umzuwandeln.

Denn der von Dickens beschriebene Uriah Heep gilt seit dem Erscheinen des Romans um 1850 als der Inbegriff des Kriechers, Intriganten und infamen Heuchlers. Bedenkt man, dass Dickens seine eigene Jugend darin Revue passieren ließ, möchte man lieber nicht genau wissen, wer das Vorbild für Mister Heep war, der einen wohltätigen Rechtsanwalt namens Wickfield schamlos ausnützte und hinterging und dessen bösartigen Machenschaften erst ein Freund von Copperfield namens Micawber ein Ende machte. Doch mit dem Bandnamen Micawber wären Uriah Heep aus Marketinggründen wohl eher gescheitert.