Krasse Wut: Mira Lu Kovacs alias Schmieds Puls. - © Ina Aydogan
Krasse Wut: Mira Lu Kovacs alias Schmieds Puls. - © Ina Aydogan

Zunächst ist da eine hübsche, etwas burleske Melodie, die abweisenden Zeilen wie "there is no elegance in your ignorance / that’s your fallacy about your virility and while I pity you, I feel superior" etwas den Stachel zu nehmen scheint. Dann aber kommt’s, wie unsere deutschen Freunde zu sagen pflegen, dicke, als sich donnernde Gitarrenwände um einen Refrain mit den Worten "fuck you and all your friends" aufbauen.

"Superior (Fuck You)" ist für Sängerin, Gitarristin und Song-autorin Mira Lu Kovacs der Song, der am unmissverständlichsten klarmacht, worum es auf der neuen Schmieds-Puls-LP "Manic Acid Love" geht: "Es ist das wütendste Album, das ich je gemacht habe", erklärt Kovacs im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", "und es war meine Absicht, das merken zu lassen, ohne dass man die Texte verstehen muss."

"Manic Acid Love", dessen emotionale Gewalt sich bereits auf dem Cover in Form flüssiger Lava darstellt, ist Schmieds-Puls-Album Nummer 3. Ihre ersten beiden Alben, "Play Dead" (2013) und "I Care A Little Less About Everything Now", haben Kovacs mit ihren Begleitern Walter Singer (b) und Christian Grobauer (dr) in der bekanntermaßen recht kompetitiven Wiener Popszene als unumstrittene, auch schon preisgekrönte Fixgröße etabliert.

Freilich wurde ihre sparsam-spröde, stilistisch dem Folk nahestehende Musik auch recht stereotyp rezipiert. "Es hatten auch die ersten beiden Alben sehr wütende Momente, aber man hat immer von der ,lieben hohen Stimme‘ gesprochen - was völlig in Ordnung ist, denn ich habe ja eine hohe Stimme -, und man hat sie als ,sensible Songwritermusik‘ kategorisiert. Auch das ist in Ordnung, aber die Vielschichtigkeit ist ein wenig untergegangen. Ich bin nicht immer lieb oder verliebt oder verletzlich. Da ist sehr viel mehr und ich lerne mit jedem Album viel dazu. Ich finde zum Beispiel, dass ich mich an der Gitarre sehr verbessert habe."

Robuste Riffs

Von den beiden Vorgängern unterscheidet "Manic Acid Love" - um den durchaus sehenden Auges in Kauf genommenen Preis der einen oder anderen kleinen Unsauberkeit - ein wesentlich kräftigerer Grundton. Das bereits erwähnte "Superior" - ein Stück Frust-Abbau, von dem Kovacs sagt, dass es sie einfach glücklich mache - ist nur das offensichtlichste Beispiel.

Der Opener "The Plan", ein Grenzgang zwischen Selbsterhöhung und Selbstkritik, beginnt mit einem ruppigen Gitarren-Riff, das durchaus auf eine Hardrock-Platte der 70er passen würde. Auch "Somebody Is Trying To Kill me", in dem sich fremde Anmaßungen zu einem Gefühl körperlicher Bedrohtheit steigern, basiert auf einem robusten Riff, das den mäandernden Bewegungen des Songs eine gewisse Kohäsion verleiht.