Dass der Prophet manchmal im eigenen Lande weniger gilt als anderswo, ist auch in der Popmusik oft so. Man denke nur an Kraftwerk, die in englischsprachigen Landen hymnische Verehrung erfahren. So ähnlich geht es auch dem musikalischen Tausendsassa Chris Imler aus Berlin, der allerdings im französischsprachigen Raum erfolgreich ist.

Eine eindrucksvolle Erscheinung ist der Mann mit dem Strizzi-Schnurrbart auf jeden Fall. Sein Debütalbum, "Nervös" von 2014, bestach nicht nur mit evokativen Songtiteln wie "Schweinsoberleder", "Arbeiterjunge" oder einfach "Ausziehen", sondern auch durch einen eigentümlich schrägen Sound zwischen Electro-Punk, Garagenrock und Avantgarde.

Nun ist mit "Maschinen und Tiere" der heißerwartete Nachfolger erschienen, der so unverändert schräg klingt, dass man hier ausnahmsweise aus dem Pressetext von Jens Friebe (der mit "Fuck Penetration" Anfang November selber ein bestechendes Album auf dem Staatsakt-Label veröffentlichen wird) zitieren muss: "Nach zeitgenössischen Vergleichspartnern muss man auswärts suchen, vorzugsweise in England. Künstlern wie Dean Blunt, Micachu and The Shapes oder den Sleaford Mods ähnelt Imler zwar im unmittelbaren Klangbild so wenig wie diese einander, aber er teilt mit ihnen eine Haltung zum Punk, die das Feuer bewahrt statt die Asche anzubeten (Gustav Mahler)". Völlig richtig. Man höre nur "Who Stops Clapping First Will Be Shot" mit seinem subsonisch vorwärts treibenden Bass und den flirrenden Elektro-Beeps.

Natürlich hat der Drummer Imler auch ein gutes Gespür für Beats und Rhythmen - und dafür, wie man diese mit konventionellen Drums oder elektronischen Geräten zu hypnotischen Songs formt, so wie bei "Richtige Stille kann niemand ertragen".

Anders als auf dem Debüt schieben sich auf "Maschinen und Tiere" trackige Instrumentals wie "Beach Balls" verstärkt in den Vordergrund. Das Album wird so noch stärker zu einem abwechslungsreichen Hörabenteuer, das man nun auch endlich in heimatlichen, also Deutsch sprechenden Regionen zur Kenntnis nehmen sollte.