Kurt Vile, der Ex-Gitarrist der Band The War On Drugs aus Phila- delphia, frönt auch auf seinem siebenten Studioalbum, "Bottle It In", seiner Leidenschaft, Entschleunigung und Müßiggang mit einer tiefenentspannten Lässigkeit in wohlklingende, atmosphärisch dahinfließende Sound- und Songgemälde zu gießen.

Das Fundament bilden weiterhin alle Formen des Folkrock - ob weird, psychedelisch oder traditionell geprägt -, und der Vorzeige-Slacker präsentiert sie einmal mehr als die Gelassenheit in Person. Entsprechend langsam und tastend entwickeln sich viele der dreizehn neuen Songs. Sich darin zu verlieren und zwischendurch auch einmal den Weg aus den Augen zu verlieren, ficht Dude Vile mit seiner Hippie-Attitüde auch gar nicht an.

Als Hörer muss man die Bereitschaft aufbringen, sich auf einen meditativen Trip durch die Welt dieses Musikers einzulassen. Der Künstler Kurt Vile dankt es einem mit perlenden Gitarrenläufen, wohltemperierten Orgelklängen, lakonisch-lethargischem Gesang und einem inspirierenden Sound zwischen melancholischem Wohlklang und meditativem Groove. Überdies ist der 38-Jährige ein versierter Geschichtenerzähler der alten Schule, der alltagsnahe und zugleich allgemeingültige Themen in seine Texte einfließen lässt.

Manche Kritiker konstatieren bei diesem Freigeist mittlerweile künstlerischen Stillstand und klagen über eine zunehmende Redundanz in seinem Schaffen. Tatsächlich bewegt sich der Musiker weiterhin auf vertrautem Terrain. Trotzdem hat sein friedvoll-selbstvergessenes und in zahllosen Variationen durchexerziertes musikalisches "Peace, Love & Understanding"-Programm große Klasse. Was letztlich zählt, ist, was diese Musik im Hörer auslöst - und wohin sie ihn führt. Wir lernen, dass Twanggitarren und lange Haare immer Saison haben - und "Bottle It In" außerdem wunderbar zum goldenen Herbst passt. Anspieltipps: die Single-Auskopplung "Loading Zones", "Mutinies" und die mit einer Spielzeit von je knapp zehn Minuten nicht eben maßhaltenden Songs "Bassackwards", "Bottle It In" (mit Cass McCombs!) und "Skinny Mini".