Einmal Feuer, bitte: "The Flame" versammelt Cohen-Lyrik. - © Sony
Einmal Feuer, bitte: "The Flame" versammelt Cohen-Lyrik. - © Sony

Ohne das Wort "Darkness" in zahlreicher Wiederholung wird es nicht gehen. Ohne Einblicke in das Leben des Autors und Songwriters als alternder Mann ebenso wenig. Das drohende Ende ist irgendwann allgegenwärtig, der nahende Tod ein Schatten, der hinter jedem Straßeneck lauert. Dennoch sind es getreu einer alten Songzeile des großen Leonard Cohen ("There’s a crack in everything / that’s how the light gets in") nicht nur trocken gesetzte Pointen über Antidepressiva, die für den nötigen Bruch sorgen werden und der Leserschaft neben feuchten Augen sehr gerne ein Lächeln bescheren.

Selbstverständlich hat es immer wieder auch mit den Frauen zu tun, dass der Meister in der Spätphase doch noch vom Lebenshunger aus der Lethargie gerissen wird. Am Beginn seiner gefeierten finalen Konzertreisen ab dem Jahr 2008 - der kanadische Songwriter und Autor ist da gerade frisch gebackene 74 Jahre alt - sind in seinem Notizbuch die folgenden Zeilen zu lesen: "There was so little to say / All my prophecies / Were coming true / I was old / My work was done / Then you began / To undress for me / On Skype / And I had to think / about my life again."

Der Tod ist kein Tabu

Der Band "Die Flamme - The Flame" versammelt bisher unveröffentlichte Gedichte und Notizbucheinträge des am 7. November 2016 verstorbenen Sängers im englischen Original und in deutscher Übersetzung. Dazu gibt es neben Songtexten seiner drei letzten Alben - "Old Ideas" (2012), "Popular Problems" (2014) sowie "You Want It Darker" (2016) - und seinen Lyrics für das Album "Blue Alert" von Anjani Thomas zahlreiche Selbstporträts und einen E-Mail-Dialog mit Peter Dale Scott, seinem ehemaligen Tutor an der McGill University in Montreal, den der lebenslang spirituell heilsuchende jüdische Zen-Buddhist am Tag vor seinem Tod mit den Zeilen "Blessed are the peacemakers: for they shall be called the children of God" beschloss.

Nicht zuletzt Cohens Sohn Adam gibt aktuell in Interviews darüber Auskunft, wie intensiv sein Vater trotz seiner Erkrankung an Leukämie bis zum Ende an neuen Songs und eben auch an "The Flame" gearbeitet hat. Beklemmend und intensiv mit grabestiefem Bariton legte davon mit "You Want It Darker" auch das Titelstück seines letzten Albums Zeugnis ab, das alle zuvor unternommenen Annäherungsversuche an den Abschied in Form von Songs wie "Darkness" oder "Come Healing" in den Zeilen "Hineni, hineni / I’m ready, my Lord" kulminieren ließ.