Hört die Signale! PeterLicht ist wieder da. - © Christian Knieps
Hört die Signale! PeterLicht ist wieder da. - © Christian Knieps

Für eigenwillig-markante Slogans und Zeilen ist der Mann schon seit seinen Anfangstagen bekannt. Man denke an Songtitel wie "Wir sind jung und machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt", die direkte Anrede "Ihr lieben 68er, danke für alles, ihr dürft jetzt gehen. Aber bitte ruft uns nicht an!" - oder nicht zuletzt an seinen Rat "Meide die Popkultur", den der Kölner Musiker und Autor PeterLicht in den vergangenen Jahren allerdings etwas zu wörtlich genommen hat.

Immerhin datiert mit "Das Ende der Beschwerde" sein bisher letztes Album auf das in schnelllebigen Zeiten weit zurückliegende Jahr 2011. Danach entstanden weiterhin Arbeiten für das Theater. Außerdem schrieb der Autor (3sat- und Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmannpreis 2007 für "Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends") für die "Süddeutsche Zeitung" seine Kolumne "Lob der Realität", die mit dem schönen Satz "Ich stand an der Wand und trank aus dem Tischmülleimer" nun zumindest für einen seiner neuen Songs auch wiederverwertet wurde.

Die Hölle, die anderen

Das dazugehörige Album erscheint am kommenden Freitag, heißt "Wenn wir alle anders sind" und markiert PeterLichts Ende seiner Meidung der Popkultur - Letzteres gerade zu Beginn mit besonderem Nachdruck: Der Jahreszeit durchaus nicht angemessen - oder aufgrund des Klimawandels irgendwie doch wieder passend -, kommt das locker groovende "Chipslied" recht unverschämt als möglicher Sommerhit daher.

Inhaltlich wird zwar erneut das bei PeterLicht beliebte Alberne fokussiert und ausgerechnet ein alter Slogan der Friedensbewegung auf die Freizeitbeschäftigung des Snack-Konsums übertragen: "Erst wenn der letzte Chips gegessen ist / Werdet ihr sehen, dass man Chips nicht essen kann!" Über einen Schlenker hin zu falschen Propheten und den sozialen Medien allerdings landet man dann doch wieder beim zweiten inhaltlichen Arbeitsschwerpunkt des Musikers, der heiteren Gesellschaftskritik, von der bereits seine "Lieder vom Ende des Kapitalismus" (2006) und das diesen nachfolgende Album "Melancholie und Gesellschaft" (2008) getragen waren.

Während die aktuelle Single "Menschen" noch persönliche Schwierigkeiten im Umgang mit den anderen, die gerne einmal die Hölle sind, zum Inhalt hat ("Ich hab mich abgemüht mit Menschen / Ich hab versucht sie zu verstehen / Ich bin mit einigen gegangen / Und manchmal blieb ich dabei stehen"), erweitert PeterLicht mit seiner Umdichtung der "Internationalen" in "Emotionale - hört die Signale!" den Fokus. Zu einer im Ton friedlichen Klaviermeditation geht es in Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung um etwas Allgemeingültiges und darum, ein Statement zu setzen.

Ein Wechselspiel

"Grenzdebile und Vergrätzte! / Haltet eure Grenzen dicht! / Dichtet / dickliche Gedichte / Und preist eure blutige Geburt!" Und: "Aus jedem Opfer wird irgendwann ein Täter / Wenn man lang genug drauf haut / Aus jedem Täter wird irgendwann ein Opfer / Wenn man lang genug drauf kaut."

Von der auch deshalb gegebenen Notwendigkeit der Selbstreflexion und Selbstkritik und der heute selten gewordenen Fähigkeit, einen Fehler einzugestehen und ihn zu korrigieren, kündet wiederum das "Umentscheidungslied" mit unterhaltsam-technoidem Elektropop, zu dem PeterLicht soulful mit Auto-Tune-Gesang experimentiert: "Ich glaub wir haben was falsch gemacht / Wir müssen uns wieder umentscheiden."

Dahingegen weniger ernst gemeint kommt in diesem grundsätzlichen Wechselspiel aus ulkig und gescheit, unterhaltsam und nachdenklich und gut gelaunt und melancholisch (hier sei vor allem das innige "Die Nacht" empfohlen) dann noch das "Liebeslied von unten - Optionslied" daher, bei dem die Selbstkritik durch den Wunsch nach Fremdoptimierung ausgetauscht wird: "Du wirst so super sein / Wenn du erst mal anders bist / Ich liebe dich! / Insbesondere die Option auf deine Veränderung."

PeterLicht hingegen darf bleiben, wie er ist. Nur bis zum nächsten Album sollte es nicht wieder sieben Jahre dauern.