Der Nino aus Wien (l.) und Jugo Ürdens. - © Pamela Russmann (l.)/Masa Stanic
Der Nino aus Wien (l.) und Jugo Ürdens. - © Pamela Russmann (l.)/Masa Stanic

Vor zehn Jahren hat er mit "The Ocelot Show" seine erste LP herausgebracht. Dieser Tage erscheint - sein Austro-Cover-Album "Unser Österreich" mit Ernst Molden und das "Grüne Album" mit Natalie Ofenböck eingerechnet - sein zehnter Longplayer.

Darüber hinaus verzeichnet sein Werkkatalog das Hörspiel "Die Gegenwart hängt uns schon lange zum Hals heraus", das er 2011 unter dem Namen Krixi, Kraxi und die Kroxn mit Ofenböck sowie österreichischer Musik- und Showprominenz (Molden, Hubert Weinheimer, Raphael Sas, Dirk Stermann . . .) aufgenommen hat, sowie Gastspiele bei Das Trojanische Pferd, Voodoo Jürgens, Ernst Molden und anderen.

Nino Mandl, bekannt als Der Nino aus Wien, ist gerade einmal 31 Jahre alt, scheint sich aber schon seit Ewigkeiten in der Wiener Songwriterszene zu tummeln - und ist denn auch gemeinsam mit dem um zwanzig Jahre älteren Molden ihre zentrale Integrationsfigur.

Opulente Melange

Dass Mandls Jubiläumsalbum nur den Namen des Künstlers - in goldener Schrift auf schwarzem Untergrund - trägt, indiziert einen besonderen Stellenwert in seinem Werk, in dem es bis dato mehrere gute Alben, nicht aber das eine herausragende gibt. "Der Nino aus Wien" könnte nun aber tatsächlich den Status seines definitiven Albums annehmen.

Es ist das, was unsereins gerne eine "Wundertüte" nennt: eine opulente Melange aus verschiedenen, mit höchster Kompetenz applizierten Stilen und Stilmitteln. Auffällig ist dabei ein kräftiger psychedelischer Einschlag, wie er auf Platten der mittleren und späteren 60er Jahre häufig zu hören war. Aus "Lola" - gewidmet einer Katze, die das gesegnete Alter von zwanzig Jahren erreichte - oder "Unentschieden gegen Ried", in dem ein Rapid-Fan seinen Frust ablädt, klingt die ganze Schule des wohltemperierten Gitarrenpop von den Beatles und Kinks bis zu deren Nachfahren in der Generation New Wave (früher Costello, Tom Petty) durch.

Das "Konzert", auf das sich Mandl im gleichnamigen Song mit sarkastischem Witz vorbereitet, zeugt von einer Punk-Affinität, wie man sie aus Songs wie "Johnny Ramone" kennt. In "Alles passt" zeigt Mandl einmal mehr, wie sehr er Fan und zugleich kompetenter Erbverwalter ist, wenn er Lou Reeds "Perfect Day" als Zeugen eines harmonischen Stimmungsbilds zitiert. Den Kollegen aus dem eigenen Land erweist Mandl in "Jukebox" Referenz, während er im abschließenden "Wach" mit chansonesker Schlagseite ein etwas abstraktes existenzielles Szenario aufzieht - und sich am Ende natürlich alle Möglichkeiten offenlässt.


Wo Der Nino aus Wien vor zehn Jahren stand, steht Jugo Ürdens heute: als interessanter Newcomer am Anfang einer Karriere. Ein wenig Rückenwind hat er dafür bereits - immerhin haben schon vor seinem dieser Tage erschienenen Debütalbum einzelne Songs und Videos ansehnliche Klickraten generiert. Sein Stück "Österreich", in dem der Wiener Rapper mazedonisch-serbischer Herkunft - faktenwidrig - den Erhalt der Staatsbürgerschaft bejubelt, hat vor zwei Jahren sogar etwas Boulevard-Geschnatter ausgelöst.

Dass sein erstes Full-Length-Album den Titel "Yugo" trägt, bezieht sich nicht allein auf das prägnante Künstler-Alias des 22-Jährigen, sondern auch auf eine jugoslawische Automarke der 80er Jahre, einem dem Fiat 128 nachempfundenen Kleinwagen. Ein Krewegerl von Auto, das der Musiker im Titelsong augenzwinkernd zum Luxusgefährt hochjubelt.

Die ironische Übertreibung ist Jugo Ürdens’ Hauptmerkmal. Dass sich diese nicht selten auch gegen die eigene Person richtet, ist ein sympathischer Zug seines Albums, das sich - musikalisch in eine stimmige, fließende Cloud-Rap-Form gekleidet - zumeist um große Gesten und Party Life dreht.

Allerdings überzeugt Ürdens am stärksten dort, wo sich in diesem Kosmos Sprünge auftun: "Allein" etwa zeugt von veritablem sozialem Überdruss. In "Ich versteh’s nicht" vermittelt Ürdens nicht nur als Texter, sondern auch als Interpret eine Ahnung, dass er zu Großem befähigt sein könnte: "Komm, verkauf mich nicht für dumm, Bruder", so weist er lakonisch-unaufgeregt mit einem Hauch von melodischem Schmelz in der sonoren Stimme einen Blender und Schnorrer zurecht.

In "Vater", wo er selbigem Mut nach dem Verlust des Arbeitsplatzes zu vermitteln versucht, wird es richtig ernst. Und ergreifend.