Ian Anderson in typischer Haltung, für die seinerzeit ein Journalist verantwortlich war. - © Picturedesk/Eyedea/Lionel Flusin
Ian Anderson in typischer Haltung, für die seinerzeit ein Journalist verantwortlich war. - © Picturedesk/Eyedea/Lionel Flusin

Man könnte fast von "Fake News" sprechen, die Ian Andersons Weltkarriere an der Querflöte begründet haben. Begonnen hat es 1968 in einem Londoner Club, als der junge Schotte in seiner damaligen Band Mundharmonika spielte, dabei - warum auch immer - auf einem Bein balancierte und den Mikrofonständer umklammerte, um nicht umzufallen.

"Ein Musikkritiker hat damals nachher zwei Dinge geschrieben", erinnert sich der 71-Jährige im Telefonat mit der "Wiener Zeitung" mit einem Schmunzeln an den Beginn von Jethro Tull: "Erstens: Da war ein Flötenspieler. Zweitens: Der Typ hat auf einem Bein gespielt." Die offenbar fehlerhafte Erinnerung des Journalisten hatte große Folgen: Anderson sattelte in der Folge nicht nur auf die Querflöte um und entwickelte als Autodidakt binnen weniger Monate seine ganz spezielle Blastechnik, sondern kultivierte auch das Spielen auf einem Bein, um die geweckten Erwartungen zu erfüllen - wobei er sich mit der Querflöte nicht am Mikroständer festhalten konnte. "Aber ich habe es gelernt." In den folgenden 50 Jahren ist aus dieser Flamingo-Pose eine Art Marke geworden.

Ein Agrarpionier als Pate
für den Bandnamen

Am 10. Dezember führt den schottischen Flöten-Flamingo nun seine Jubiläumstour in die Wiener Stadthalle. "Es wird eine echte 50-Jahr-Feier, mit Fokus auf die Musik der ersten zehn, zwölf Jahre von Jethro Tull", verspricht Anderson - der von der Stammbesetzung als Einziger übrig geblieben ist - den Fans der ersten Stunde. "Ich denke, das ist unsere größte Fangruppe: Jene, die unseren Progressive Rock schon damals gehört haben, sei es in Europa, Amerika, Russland oder Indien. Wir waren die New Kids on the Block der damaligen Zeit." Und er ist sicher, dass auch die Nachgeborenen, die mit den Tull-Platten ihrer Eltern aufgewachsen sind, die Setlist mögen werden. Und für Nostalgiker werden auch die insgesamt 36 Bandmitglieder, die Jethro Tull in fünf Jahrzehnten mitgestaltet haben, auf einer Videowand ihren Auftritt haben.

In diesem Zusammenhang bekennt er, dass ihm der Bandname auch nach 50 Jahren eigentlich immer noch ein bisschen peinlich ist. Die Benennung nach Henry Jethro William Tull (1674-1741), dem zu Lebzeiten unterschätzten Vater der modernen Agrarwissenschaften, ist jedenfalls nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern war die Idee des damaligen Agenten der Band, der Geschichte studierte. "Ich hielt es zunächst für einen Scherz. Aber wir hatten Erfolg damit, und den Bandnamen zum fünften Mal binnen fünf Wochen zu ändern, wäre keine gute Idee gewesen."