Auf der Suche nach der "Isle Of Man": Sam Vance-Law. - © J. Konrad Schmidt (BFF Professional)
Auf der Suche nach der "Isle Of Man": Sam Vance-Law. - © J. Konrad Schmidt (BFF Professional)

Auf gewisse Weise macht der Mann dort weiter, wo Rufus Wainwright an der Kreativkreuzung dann doch in Richtung Shakespeare-Sonette abgebogen ist – und entsprechend langweilig wurde. Immerhin belegt das Debütalbum des in Kanada geborenen Wahlberliners Sam Vance-Law bereits mit seinem Titel "Homotopia" (Caroline) und Stücken wie "Narcissus 2.0" recht nachdrücklich, dass man hier einer neuen Inkarnation des einst von Wainwright besungenen "Gay Messiah" begegnen dürfte.

Der Sänger und Songwriter mit dem klar und ohne Halleffekt in Szene gesetzten Bariton rebellierte in seiner Kindheit und Jugend gegen seine pophörenden Eltern mit einer Begeisterung für klassische Musik. Das hört man seinem heuer im Frühling erschienenen Erstling mit Arrangements für Streichquartett und Flöte sowie vor allem auch mit Chorarrangements an, die aus einem Vorleben im Choir Of New College Oxford resultieren, als dessen Mitglied er auf diversen Alben vertreten ist.

Schillernd und flamboyant

In der Solokarriere fügt sich das nun zu einem weitgehend introspektiv gehaltenen, zwischendurch auch einmal sakral aufgeladenen und mitunter beschwingten Kammerpop, den man sich etwa im Falle des erwähnten "Narcissus 2.0" gut und gerne als Soundtrack einer Indie-Komödie unter Regie von Jason Reitman vorstellen darf. Als Koproduzent der zehn in 35 Minuten gereichten Songs ist Get-Well-Soon-Mastermind Konstantin Gropper zu vermelden.

Als der Mode vielleicht besser entsprechende Verhandlung queer-philosophischer Grundfragen mit Genderseminar-Einschlag inszeniert Sam Vance-Law seine durch die Bank schwulen Befindlichkeiten übrigens nicht. Er bevorzugt an ihrer Stelle die tragikomisch durchzogene Erzählung mit Hang zur Pointe: "He was a lawyer / But I wasn’t so dumb myself / I had a B+ in math / He was in the park / Walking his golden retriever / I was eating a big mac / I went to the nearest public toilet to piss / He followed me / Yes we’re in love."

Es gibt Texte über die wegen nicht gegebener Heterosexualität ausbleibende Liebe Gottes, blutige Nasen am Abschlussball und einen Fluchtpunkt im Paradies namens "Isle Of Man", die sich am Englischen passenderweise wie "I love man" ausspricht. Dass das alles sehr schillernd und flamboyant ist, kann am Mittwoch übrigens auch im Zuge des Wien-Konzerts von Sam Vance-Law im Chelsea überprüft werden. Wir erleben einen Narziss, der nur sehr zwischendurch nicht ganz gegen Selbstzweifel gefeit ist: "Yes I would sleep with myself / If I were just a bit younger / Yes I would sleep with myself / If I were just a bit hotter / Yes I would sleep with myself – if I were you!"