Wer war David Bowie? Dieser Frage widmet sich Dylan Jones herkulisch auf 816 Seiten. - © Jimmy King
Wer war David Bowie? Dieser Frage widmet sich Dylan Jones herkulisch auf 816 Seiten. - © Jimmy King

Allmählich muss man schwindelfrei sein. Denn stapelt man nur eine zugegeben subjektive Auswahl an Büchern über David Bowie aufeinander, dann hat man sehr schnell einen (über)manns- und -frauhohen Stapel beieinander, der mit nur ein klein wenig Ausdauer rasch zum Hügel wird.

Schon 1993 brachte Elizabeth Thomson "The Bowie Companion" heraus. Chris Welch beschrieb 1999 in Buchform "The Stories Behind Every David Bowie Song". Nicholas Pegg präsentierte im Jahr 2000 "The Complete David Bowie". 2003 erschien "Die Biografie" von Christopher Sandford. 2008 "Das unentbehrliche Handbuch" zu Bowie von David Buckley, die englische Originalausgabe war vier Jahre zuvor erschienen. Eine zweite "Biografie" wurde 2010 auf Deutsch veröffentlicht, jene von Marc Spitz, die, 1999 erstmals herausgekommen, 2005 überarbeitet und ergänzt worden war.

Paul Trynka publizierte 2012 in London "The Definitive Biography". 2016 wurde die fünfteilige Lebens- und Werkbeschreibung des niederländischen Autors Wim Hendrikse auf Deutsch verlegt, die mit dem Jahr 2007 endet. Und erst im letzten Jahr konzipierte Till Bernardo sogar ein David-Bowie-"Quizbuch".

Ein staunendes "Woo"

Die Londoner Jahre des Musikers sind ebenso gründlich ausgeleuchtet wie die Zeit von 1976 bis 1978, die Bowie im grindigen West-Berlin, im recht andersweltlichen Bezirk Schöneberg verbrachte, bekanntlich damals die letzte Chance des "Thin White Duke", sich vom Koksgiftlertum zu befreien. Erst seit Kurzem ist bekannt, dass er in der Anfangsphase in der geteilten deutschen Stadt, die für ihn Sanatoriumsersatz war, in der Schwäbischen Straße 7 im Bayerischen Viertel in der Altbauwohnung Edgar Froeses unterkam, des Gründers und Masterminds von Tangerine Dream, der im Jänner 2015 in Wien starb, fast auf den Tag genau ein Jahr vor Bowie.

Selbst ein seriöser akademischer, der Psychoanalyse sich widmender Verlag wie Psychosozial in Gießen brachte ein Bowie-Buch heraus. Darin sezierte der Filmwissenschafter Andreas Jacke auf der Grundlage der Neopsychoanalyse Melanie Kleins Traumata und Borderline-Aspekte des Popstars. Auch "Bowie zum Abreißen" gibt es mittlerweile, als 18-Monatskalender mit 18 Fotos und einem Format in aufgeklapptem Zustand von imposanten 30,5 mal 61 Zentimetern. Konventioneller ist der "David Bowie Official 2019 Calender" mit zwölf Bildmotiven für zwölf Monate. Und bei alledem fehlen die ganzen Zeitschriftenaufsätze, die Fanzine- und Zeitungsartikel noch.