John Scofield besitzt etwas, das den meisten Kollegen fehlt: Unverkennbarkeit. Zwei, drei Töne aus seiner Jazzgitarre, dazu eine Blue-Note und ein launiger Schleifer - schon steht der Absender der Klangspende außer Zweifel. Mittlerweile 66, zeigt sich der US-Amerikaner auf seinem neuen Album gleichermaßen tiefenentspannt wie hochkonzentriert. Umgeben von einem neu besetzten Quartett (mit Gerald Clayton an der Blues-Orgel und den Klaviertasten) zelebriert Scofield etwas, das man die Kunst der Alterslässigkeit nennen könnte.

Gut möglich zwar, dass sich die neun Nummern von "Combo 66" - allesamt aus der Feder des Gitarristen - lauter und zackiger abwickeln ließen. Die Solos des Bandleaders besitzen trotz ihrer Beiläufigkeit aber enorme Prägnanz. Und mag es die Band beim Ausfolgen ihrer Grooves auch nicht eilig haben, verströmt sie doch zwingende Kraft. Ein unaufdringlich fesselndes Album zwischen Postbop, Blues und Souljazz, auf dem Scofield auch auf alte Marotten wie spröde Verzerrer- und Rock-Effekte verzichtet.