In Trademark-Pose auf der Bühne: Gwilym Lee als Brian May (l.), Rami Malek als Freddie Mercury. - © Twentieth Century Fox
In Trademark-Pose auf der Bühne: Gwilym Lee als Brian May (l.), Rami Malek als Freddie Mercury. - © Twentieth Century Fox

Wo anfangen? Vielleicht bei dem Fistelgesang eines blonden, jungen Mannes. "Galileo Figaro!", plärrt er in ein Mikrofon. "Höher!", fordert ein Schwarzschopf im Hintergrund. Der Blonde, er heißt Roger Taylor, plärrt also noch einmal "Galileo", und er tut es immer wieder - obwohl er glaubt, dass ihn eh nur noch "die Hunde hören".

Aus dem Fistelgesang ist natürlich keine Musik für das liebe Vieh geworden. Es waren Aufnahmen für "Bohemian Rhapsody", diesen opulenten, exzentrischen und damit beispielhaften Song für die Band Queen. Ein Lied freilich, das sich wegen seines komplexen Arrangements 1975 nur schwierig aufnehmen ließ. Man tat es Puzzlestück für Puzzlestück, und allein Sänger Freddie Mercury wusste angeblich, was am Ende aus all den Schnipseln werden sollte - er hatte die Nummer ja geschrieben.

Die Mühen waren damit aber nicht ausgestanden. Danach galt es, die "Rhapsody" gegen die Vorbehalte der Plattenfirma zu verteidigen. In England grassierte damals zwar noch ein Stil namens Progressive Rock, der mit der klassischen Musik liebäugelte. Ein Sechsminüter im Radio war trotzdem so unpopulär wie ein dickes Kind am Schulhof. Und dass Queen mit ihrem neuen Album dem Genre Oper Tribut zollen wollten ("A Night At The Opera"), wurde labelseitig wenig erfreut zur Kenntnis genommen.

Ikonen-Verwertung

Und doch: Die "Rhapsody" hat all die Kleinkrämer, Kleinmütigen und Kapitalisten Lügen gestraft. Die Nummer erklomm als erster Queen-Song überhaupt die Chartspitze. Dieser Triumph jagt Fans noch heute Gänsehaut über den Rücken - und er lässt sich ab Mittwoch im Kino bestaunen: Der Spielfilm "Bohemian Rhapsody" feiert den Aufstieg von Queen - einer britischen Band "von Außenseitern für Außenseiter", wie es in dieser Biografie einmal stolz heißt.

Auf der Leinwand erhalten die Worte freilich eine gewisse Ironie. So sehr sich Queen 1975 gegen die Marktlogik sträuben, so artig folgt ihr der Film. "Bleibt bei eurer Formel!", wollte der Manager seine Musiker vom Experimentieren abhalten. Die pfiffen drauf. Der Film dagegen beherzigt es - und meidet das Risiko wie der Teufel das Weihwasser. Er wendet sich, wie zuletzt schon so mancher Streifen über Ikonen des 20. Jahrhunderts (etwa Tennisstar Björn Borg), an einen gewaltigen Fanklub und spielt geschickt auf der Klaviatur der Nostalgie. Der Queen-Film kann dabei nicht nur aus einer Hit-Sammlung schöpfen, die an Vielfalt kaum zu überbieten ist und im Laufe der gesamten Bandgeschichte entstand, von den rohen Anfängen über die Kunstphase bis hin zum Stadionrock und den poppigen Schlussnoten. "Bohemian Rhapsody" bietet sich natürlich auch als Gedenkdienst für den charismatischen Band-Kern Freddie Mercury an, der im Jahr 1991 als wohl berühmtester Aids-kranker Musiker verschied.