Wortspiele und Zeitkommentare: Elvis Costello hat ein neues Album herausgebracht. - © James O‘Mara
Wortspiele und Zeitkommentare: Elvis Costello hat ein neues Album herausgebracht. - © James O‘Mara

Nach seinem letzten, gemeinsam mit der US-HipHop-Band The Roots aufgenommenem Album "Wise Up Ghosts" hatte man Elvis Costello schon einmal laut übers Schlussmachen nachdenken gehört. Doch siehe da: Nur fünf Jahre später ist der britannische Vorzeigesongwriter der Generation New Wave mit einem neuen Longplayer zur Stelle. Nicht mit seinem schlechtesten, so viel ist sicher.

"Look Now" (Universal), Costello-Opus 31, hat der 64-jährige Sänger/Gitarrist wieder mit den Imposters aufgenommen, seiner angestammten Begleitformation The Attractions minus dem ungeliebten, 2002 endgültig von Bord gegangenen Bassisten Bruce Thomas. "Ich wollte ein unmittelbares Album machen", erklärt der äußerst freundliche Costello im Interview. "Und diese Unmittelbarkeit erforderte Erfahrung und das gegenseitige Vertrauen, nicht zu viel zu spielen, sondern hineinzuhören, was ein Song sagt."

Nur nicht wiederholen!

Das Sound-Design hatte Costello vorab im Koordinatenfeld seines 1982er-Klassikers "Imperial Bedroom" und "Painted From Memory", seiner Kooperation mit Burt Bacharach aus 1998, veranschlagt. Das entspräche praktisch einem Querschnitt seines Werks, dessen Hauptcharakteristika einerseits sein (zu)packendes Songwriting - wie in "Imperial Bedroom" repräsentiert - und andererseits seine musikalischen Wurzelforschungen - wie in "Painted From Memory" in Szene gesetzt - sind.

Im Interview relativiert Costello aber: "Diese zwei Platten habe ich zur Orientierung der Leute genannt. Das heißt aber nicht, dass wir irgendetwas wiederholen. Ich wollte nur nicht, dass die Leute erwarten, dass das Album wie "This Years’s Model", "Brutal Youth" oder auch "National Ransom" klingt - Platten mit sehr spezifischen Sounds, Stimmungen und Dynamiken. Diesmal wollte ich uns als Band die Möglichkeit geben, alle Arten von Stimmungen und Dynamiken auszuloten. Das ist eine Möglichkeit, die wir live recht selten kriegen. Eines dieser seltenen Male war übrigens vor ein paar Jahren beim Jazzfest Wien in der Oper."

Tatsächlich präsentiert "Look Now" eine vielfältig-stimmige Auswahl an Musiksprachen, derer sich der künstlernämliche Elvis mit dem bürgerlichen Namen Declan MacManus seit seinem Debütalbum "My Aim Is True" von 1977 bedient hat. In Songs wie "Unwanted Number", dem beschwingten, gemeinsam mit Carole King geschriebenen "Burnt Sugar Is So Bitter" und besonders "Under Lime" lebt in temperierter Form der Pop-Klassiker Costello auf, der seinerzeit eingängig-smarte Songs wie "Less than Zero" oder "Accidents Will Happen" scheinbar nach Belieben aus dem Ärmel zu schütteln vermochte.