Der belgische Sänger Helmut Lotti, der sich als "leichten Bariton" bezeichnet, ist derzeit mit dem neuen Programm "Soul Classics in Symphony" und Hits wie "Purple Rain" und "Wonderful World" auf Tournee. Vor seinem Konzert in der Wiener Stadthalle, am Dienstag, 26. Februar, sprach der Sänger mit der "Wiener Zeitung" über Groove und Schulalbträume.

"Wiener Zeitung": Sie werden dieses Jahr 50 - ein Datum, das Sie vielleicht alt fühlen lässt?

Helmut Lotti: Sie sind nicht der erste Journalist, der mich danach fragt, doch für mich ist das überhaupt kein Thema.

Nun, bisweilen stellt sich eine gewisse Altersweisheit ein.

Vor allem habe ich viel mehr Spaß an dem, was ich mache und weiß, wann ich auch mal nein sagen muss. Was ganz wichtig ist im Leben, denn Sachen, die man nicht im Griff hat, sollte man einfach loslassen.

Was haben Sie besser im Griff?

Mich, mein Leben. Wenn 80 Prozent im Alltagsleben gut laufen und 20 Prozent nicht gut, kann man damit schon ziemlich zufrieden sein - aber wenn diese 20 Prozent im Kopf zu 80 Prozent werden, dann sollte man etwas ändern. Und das habe ich getan mit dem Ergebnis, dass Arbeit und Privatleben nun in einem guten Verhältnis zueinander stehen und ich heute viel besser weiß als vor zehn Jahren, wer der Künstler Helmut Lotti sein soll.

Und wer soll der Künstler Helmut Lotti nun sein?

Der er immer war. Ich habe immer gedacht, es gäbe mehr künstlerische Möglichkeiten für mich und habe in den vergangenen Jahren meine Grenzen ausgetestet. Heute weiß ich, dass man ein Image nicht so einfach loswerden kann. Und insofern habe ich jetzt meinen Frieden mit dem Künstler Helmut Lotti geschlossen.

Ihr neues Album "Soul Classics in Symphony" bringt Soul groß raus. Für diese Musikrichtung braucht es einen ganz besonderen Groove. Verfügen Sie über diese Bandbreite?

In Belgien stand ich mit der neuen Platte wochenlang ganz oben in den Charts, eben weil ich nicht versuchte, krampfhaft so nah wie möglich am Original zu bleiben und "schwarz" zu klingen. Mein Album ist zu 50 Prozent eine typische Helmut Lotti-Platte.