Hannes Löschel verwendet Instrumente für seine Musik, die andere als Spielzeug benützen: Chinesische Spielzeugklaviere, Melodica, Diktiergeräte und diverser elektronischer Krimskrams. Drei Ansatzpunkte zeichnen seine Stücke auf der neuen CD "Konferenz der Armseeligkeit" (Extraplatte) aus: Das Kompositorische, das schemenlose Voranschreiten, Themen anzuspielen, ohne sie zu wiederholen, und die Gestaltungserleichterung durch die Elektronik.

"Letzterer ist natürlich ein heikler Punkt, weil das sehr oft überstrapaziert wird. Denn man macht kaum mehr etwas selbst und es klingt trotzdem gut - und hier muss man aufpassen, dass man nicht sich selbst beschummelt und sich bedienen lässt", erklärte Hannes Löschel in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Auf seiner CD hat Löschel die Sache so gelöst, dass er auf die Saiten einer effektbeladenen E-Gitarre zwei Steine gelegt und sie in Bewegung gesetzt hat. Das Stück dauert dann so lange, bis sich die Steine nicht mehr bewegen ("Distortion II").

"Aber ich weiß nie, wo Konsequenz aufhört und Verbissenheit anfängt und komme nicht mit Musikern zurecht, die sich ausschließlich auf eine Sache konzentrieren. Inkonsequenz ist mir deshalb sehr wichtig - wenn man etwas behauptet und in der nächsten Sekunde wieder ad absurdum führen kann", so Löschel. Neue Aspekte sind ihm also stets wichtig. Was ihm allerdings fehlt, ist das Musikantische: "Viele Berufs- und Studiomusiker können den Ausdruck Musikant nicht mehr hören, mir geht das aber irgendwie ab. Auf der CD streiten sich diese zwei Haltungen, also die des Konzeptmusikers und jene des Musikanten. Ich möchte irgendwann einmal die beiden Haltungen kombinieren, obwohl ich gar nicht weiß, ob das überhaupt möglich ist. Die einzige Lösung, die ich bisher gefunden habe, ist, die beiden Dinge aneinanderzureihen. Das Vermischen hat meistens in Banalität geendet".

Die CD ist mitunter auch durch die Ansammlung von aufgenommenen Spielereien vor Konzerten entstanden. "Statt uns nach dem Soundcheck umzuziehen, sind wir geblieben und haben aufgenommen."

So wurden von Löschel drei Komponenten auf der CD aneinandergereiht: die konzeptionelle, eine kompositorische und eine improvisierte. Eine interessante Mischung, die eigentlich gar keine ist . . .